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p. [I]–37 = Vorwort bis Persische Namen [#1–#58]
p. 399–405 = Echtarmenische Wörter [Einführung]
p. 411–421 = Echtarmenische Wörter [#1–#39]
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[III]

ARMENISCHE
GRAMMATIK
VON
H. HÜBSCHMANN.
I. THEIL.
ARMENISCHE ETYMOLOGIE.

LEIPZIG
DRUCK UND VERLAG VON BREITKOPF & HÄRTEL.
1897.

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[V]

Inhalt.
Vorwort VII
Vorbemerkungen 18
A. Umschreibung 12
B. Abkürzungen 38
I. Theil.
Die persischen Lehnwörter im Armenischen 9280
1. Abschnitt: Persische Namen 1791
2. Abschnitt: Persische Wörter 91259
3. Abschnitt: Neupersische und arabische Wörter 259280
Die syrischen Lehnwörter im Armenischen 281321
1. Abschnitt: Syrische Namen 288299
2. Abschnitt: Syrische Wörter 299321
III. Theil.
Die griechischen Lehnwörter im Armenischen 322391
1. Abschnitt: Griechische Namen 333336
2. Abschnitt: Griechische Wörter 336389
Französische Wörter 389391
IV. Theil.
Armenische Lehnwörter unsicherer Herkunft 392398
V. Theil.
Echtarmenische Wörter 399504
Nachträge 505520
Wortregister 521573
Berichtigungen 574575

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[VII]

VORWORT.

Von den zahlreichen Völkern, die im Alterthum das nordwestlichen Vorder-Asien bewohnten, sind es fast nur die Armenier, die ihr Volksthum und ihre Sprache bis auf den heutigen Tag bewahrt haben, nicht leicht und mühelos in friedlichem Dahinleben, sondern unter dauernden inneren und äusseren Kämpfen und trotz zahlreicher Verfolgungen, die oft noch blutiger und grauenvoller waren als die, deren Zuschauer Europa in den letzten Jahren gewesen ist. Mag man es den Eigenschaften der Rasse, mag man es geographischen, historischen und religiösen Verhältnissen zuzuschreiben haben, dass die Armenier sich so lange trotz widriger Schicksale erhalten konnten, sicher ist, dass ein so altes, unbeugsames, nationalstolzes und glaubenstreues Kulturvolk auf das Interesse der Wissenschaft und der gebildeten Welt Anspruch hat, zumal dasselbe als ein Zweig des indogermanischen Stammes nach seiner Herkunft und als Anhänger des Christenthumes nach seinem Glauben uns nahe steht. Hier ist es die Sprache dieses Volkes, der unser Interesse gelten soll.

Die armenische Sprache ist vor dem 5. Jahrhundert nach Chr. schriftlich nicht fixirt worden, in ihren älteren Phasen daher bis auf die von Griechen und Römern überlieferten Personen- und Ortsnamen, die noch dazu theilweise aus dem Persischen stammen, unbekannt geblieben. Was etwa in Armenien in älterer Zeit geschrieben worden ist, musste in Ermangelung einer armenischen Schrift, in fremder d.h. persischer, syrischer oder griechischer Schrift und Sprache geschrieben sein, da keine dieser drei Schriftarten zur VIIIWiedergabe der armenischen Sprache tauglich war. Erst durch Mesrop wurde im Anfang des 5. Jahrhunderts nach Chr. die armenische Schrift erfunden1)1) Siehe unten p. 323 Anm. 1, und wenn man armenischen Berichten über ältere Versuche, ein armenisches Alphabet zu schaffen, Glauben schenken will, so wird man ihnen auch glauben müssen, wenn sie versichern, dass diese Versuche vollkommen fehlschlugen. Also hat es vor Mesrop eine armenische Litteratur in nationaler Sprache nicht gegeben, sie ist vielmehr erst durch Mesrop ermöglicht, durch ihn und den Katholikos Sahak (gestorben im J. 439) begründet worden und geht in ihren Anfängen nicht über die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts zurück.

Die armenische Litteratur verdankt ihre Entstehung dem Bestreben Sahak’s und Mesrop’s, ihrem Volke eine eigene Quelle christlicher Bildung zu schaffen und es dadurch geistig unabhängig von Persien und Syrien zu machen2)2) Siehe unten p. 282, 323. Diesen Zweck suchten sie zugleich nach der Erfindung der armenischen Schrift durch die Uebersetzung der ihnen geeignet erscheinenden christlichen Werke zu erreichen, und sie haben ihn Dank ihrem rastlosen Eifer und der Unterstützung zahlreicher Schüler glänzend erreicht. Denn schon um 450 nach Chr. soll die Zahl der aus dem Griechischen und Syrischen übersetzten Bücher über 600 betragen haben (Euseb. Chron. Venedig 1818, I, p. XI). Ist auch diese Zahl für das Jahr 450 viel zu hoch gegriffen, so steht doch fest, dass am Ende des 5. Jahrhunderts in Armenien eine reiche Litteratur vorhanden war, die in dem Geiste wirkte, in dem sie Sahak und Mesrop begründet hatten. So waren z.B. übersetzt die Bibel3)3) Siehe unten p. 284, 285, die Kirchengeschichte4)4) Siehe unten p. 285 und die Chronik des Eusebius, die Schriften Philo’s, die Apologie des Aristides, die Homilien und Kommentare des Joh. Chrysostomus, das Hexaemeron des Basilius des Grossen, die Homilien des Severianus, Bischofs IXvon Gabala, die Katechesen des Cyrillus von Jerusalem, die Werke Ephrem’s des Syrers1)1) Siehe unten p. 285, die Briefe des Ignatius2)2) Siehe unten p. 285, Schriften des Athanasius, Gregors von Nyssa u.s.w. Von profanen Werken: die Grammatik des Dionysius Thrax, das Leben Alexander von Pseudocallisthenes, die Kategorien des Aristoteles u.s.w. Während diese Uebersetzterthätigkeit auch in den folgenden Jahrhunderten blühte und so im Laufe der Zeit eine umfangreiche Litteratur3)3) Ueber diese s. Catalogue des anciennes traductions arméniennes (siècles IV–XIII), Venedig 1889, p. 1–764 (neuarmenisch)., deren Bedeutung für Theologie, Kirchengeschichte und griechische Philologie jetzt mehr und mehr erkannt wird und gewürdigt wird, geschaffen hat, entwickelte sich neben ihr von Anfang an eine selbständige litterarische Thätigkeit, die aber im Wesentlichen auf das theologische und historische Gebiet beschränkt blieb. Ihr verdanken wir in jener Hinsicht eine Menge von Kommentaren zu den biblischen Büchern, Streitschriften (wie Eznik’s Widerlegung der Irrlehren), Homilien, Reden, Briefen, Gebeten, geistlichen Liedern u. dgl., in dieser eine ununterbrochene Reihe historischer Werke, die zwar fast ausschliesslich die Geschichte des eigenen Volkes behandeln, bei den mannichfachen Beziehungen desselben zu anderen Völkern aber auch für die Geschichte der Perser, Byzantiner, Araber, Seldschuken und Mongolen von Bedeutung sind. Minder wichtig ist die theils selbständige, theils aus Uebersetzungen bestehende geographische, astronomische, juristische und medicinische Litteratur, die auch zum grössten Theil erst dem späteren Mittelalter angehört. Die Poesie hat nur wenige und dürftige Blüthen getrieben. Die umfangreiche, meist gelehrte Litteratur der modernen Armenier kommt hier nicht in Betracht4).X4) Ueber die ältere Litteratur s. Neumann, Versuch einer Geschichte der armenischen Litteratur nach den Werken der Mechitaristen, Leipzig 1836, Karekin, Geschichte der armenischen Literatur, Venedig 1878 (neuarmenisch).

Sieht man von den Verschiedenheiten im Ausdruck und Stil der einzelnen Autoren wie auch natürlich von den Willkürlichkeiten der Uebersetzer des Dionysius Thrax, des Aristoteles u.s.w. ab, so tritt uns die Sprache der armenischen Litteratur von Anfang an nach Lauten, Formen und Syntax als einheitlich, d.h. ohne dialectische Unterschiede entgegen. Da aber die ersten in dieser Sprache geschriebenen Werke, voran die Bibel, für die Folgezeit mustergültig wurden, so konnte keiner der etwa vorhandenen Dialecte in der Litteratur zu Worte kommen, und so blieb sie, während sie im Volksmunde weiter lebte und sich veränderte, als todte Sprache einheitlich und unverändert die »klassische« Sprache der armenischen Litteratur bis in die neueste Zeit. Dass und wie diese Sprache im Volke weiterlebte, erfahren wir in den ersten Jahrhunderten nur aus wenigen und nicht immer sicheren Spuren in den (mangelhaft überlieferten und schlecht edirten) Texten jener Zeit, ein deutlicheres Bild derselben tritt uns erst aus den populären (medicinischen, juristischen und landwirthschaftlichen) Werken der mittleren Litteraturperiode (Mechithar Herac̣i, Ueber die Fieber, vom Jahr 1184, Geoponica, 12. oder 13. Jhd., Syrisch-römisches Rechtsbuch, Assisen von Antiochien, vor 1265 übersetzt, u.s.w.) entgegen, um dann wieder zu verblasssen und erst in unserm Jahrhundert, in dem diese Volkssprache nach weiterer Entwicklung und nicht ohne starke Beeinflussung durch die alte Litteratursprache zur neuarmenischen Schriftsprache erhoben ist, sich voll und klar zu zeigen. Neben ihr erscheinen nun auch eine Anzahl von Dialecten, die uns die Frage nach ihrem Verhältnis zur alt- und neuarmenischen Schriftsprache nahe legen. Einige Gelehrte haben in ihnen die Fortsetzer von altarmenischen Dialecten vermuthet, ohne indessen stichaltige Gründe für diese Vermuthung vorzubringen. Mir scheinen alle diese Dialekte, so verschieden sie auch von einander sind, in ihren charakteristischen Merkmalen miteinander und mit der neuarmenischen Schriftsprache übereinzustimmen und also mit dieser XI auf das uns bekannte Altarmenische zurückzugehen11) Die wichtigsten Neuerungen des Modernarmenischen sind: Bildung des Plurals durch das Suffix er – ner, des Passivs durch das Suffix v (ls-v-im pass. zu ls-em ‘höre’), des Präsens (westarm.) oder Futurums durch die vorgesetzte Partikel westarm. gu, , g, poln. arm. gi, g, ostarm. ku, , k, die aber im Dialect von Agulis fehlt, der Causative durch c̣n-(em) oder uc̣an-(em), Verwendung des Relativs or als Conjunction = ‘dass’, Aufgabe des Präfixes z beim bestimmten Accusativ, häufige Ausstossung des Vocales a besonders in mittleren Silben. Die meisten dieser Erscheinungen sind schon im 12.–13. Jhd. nachweisbar und gehen also zum Theil in noch ältere Zeit zurück. Sie finden sich sämmtlich in des Assisen von Antiochien (gu z.B. p. 11 und 13), die zudem noch besondere dialectische Eigenthümlichkeiten zeigen, meistens bei Mechithar Herac̣i, bei dem nur der bestimmte Accus. mit z noch gebraucht wird und gu noch nicht vorzukommen scheint, und in den Geop., die z beim Accus. noch gebrauchen, gu gleichfalls nicht zu haben scheinen und den Plural auf -er seltener verwenden. Ich kann aber in diesen Neuerungen keinen Grund finden, die heutigen Dialecte vom Altarmenischen zu trennen.). Ist doch bisher auch meines Wissens kein einziges Wort nachgewiesen worden, das seinen Lauten nach – und auf diese kommt es vor Allem an! – auf eine andere als die vorliegende altarmenische Form zurückgeführt werden müsste. Wohl mögen im 5. Jahrhundert armenische Dialecte existirt haben, aber sie brauchen nicht sehr verschieden gewesen zu sein und können in der Schriftsprache oder der sie fortsetzenden Vulgärsprache aufgegangen sein wie die altgriechischen Dialecte in der Κοινή. Ob es sich so verhält oder ob irgend ein neuarmenischer Dialect auf einen sonst nicht erhaltenen altarmenischen zurückgeht wie im Griechischen das Zakonische auf das Lakonische, kann freilich erst eine gründlichere Erforschung und Vergleichung der modernen Dialecte, als sie bisher unternommen worden ist, entscheiden2).XII2) Vgl. jedoch die ausgezeichneten (leider neuarmenisch geschriebene) Kritische Grammatik der heutigen armenischen Sprache von A. Aidənean, Wien 1866 (mit eingehender Untersuchung über die Geschichte des Vulgärarmenischen), ferner Hanusz, Ueber die Sprache der polnischen Armenier (polnisch) Krakau 1886 [Vol. 2 =1888]und dessen Beiträge zur armenischen Dialectologie WZKM. Bd. 1, 2 und 3, die in nachahmungswerther Weise die Aussprache (mit Hilfe lateinischer Lettern!) genau und das lexicalische Material ausreichend geben; Tomson, Linguistische Untersuchungen (Ueber den Dialect von Achalzich) Petersburg 1887 und Historische Grammatik der modernarmenischen Sprache von Tiflis Petersburg 1890 (beide russisch); Sargis Sargseanc̣, Der Dialekt von Agulis, Moskau 1883 (neuarm.) u.s.w.

Nach einigen Jahrhunderten des Verfalls der armenischen Bildung und der Entartung der Litteratur ist in neuester Zeit vornehmlich durch die Wirksamkeit Mechithars (1676–1749) und der von ihm gestifteten Congregation der Mechitharisten in St. Lazaro bei Venedig (später auch in Wien) Armenien wieder in Beziehung zur europäischen Kultur gekommen und von ihr befruchtet zu neuem geistigen Leben erwacht, von dem zu hoffen ist, dass es trotz der Ungunst der politischen Verhältnisse seine aufsteigende Richtung unentwegt fortsetzen werde. Gleichzeitig ist aber auch dadurch die armenische Sprache und Litteratur der europäischen Wissenschaft näher gerückt und im Laufe der Zeit mehr und mehr zum Gegenstand der modernen Forschung – von ihr Licht empfangend und ihr Licht gebend – geworden. Zwar ist auch vor den Mechitharisten in Europa Armenisch getrieben und über armenische Dinge geschrieben worden, aber diese Studien der Italiener Rivola, Firomalli, Galanus11) Siehe Neumann, Versuch e. Gesch, d. arm. Lit. p. 241–245. (im 17. Jhd.), der Franzosen Vilotte, La Croze, Villefroy22) Siehe Neumann ebenda p. 273–275. (im 18. Jhd.) und Anderer blieben vereinzelt und und wirkungslos und wurden bald von den Leistungen der Mechitharisten überholt und in den Schatten gestellt33) Mit Ausnahme der von den Brüdern William und George Whiston herausgegebenen und übersetzten Geschichte des Moses Xorenac̣i und der ihm zugeschriebenen Geographie, London 1736 wie auch des Thesaurus linguae Armenicae, antiquae et hodiernae von J. Schröder, Amsterdam 1711.. Die Verdienste dieser Männer im Besonderen zu schildern und zu würdigen, ist hier nicht der Ort, erwähnt sei nur im Allgemeinen, dass sie, ganz abgesehen von ihrer auf die Bildung der armenischen Nation gerichteten ausgebreiteten Thätigkeit, nicht nur eine grosse Zahl armenischer Handschriften gesammelt und XIIIdadurch vor dem Untergang bewahrt, sondern auch die Hauptwerke der armenischen Litteratur durch den Druck allgemein zugänglich gemacht haben, dass sie armenische Grammatiken und Wörterbücher11) Darunter das für wissenschaftliche Zwecke unentbehrliche grosse Wörterbuch von 1836–1837 in arm. Sprache (Sammlung aller in der damals bekannten Litteratur belegbaren Wörter mit zahlreichen Belegstellen) von Gabriēl Avetikʿean, Xač̣atur Siurmēlean und Mkrtič̣ Augurean. in verschiedenen (auch europäischen Sprachen) publicirt, die armenische Alterthumskunde, die politische und Litteraturgeschichte, die alte und neue Geographie u.s.w. in zum Theil ausgezeichneten Werken bearbeitet und durch ihre gesammte Thätigkeit den Boden geschaffen haben, auf dem eine »armenische Philologie« sich entwickeln kann und auch schon einige Keime getrieben hat. Ihrem Beispiel folgten nicht nur Armenier aller Länder, sondern auch die europäischen Gelehrten22) So in Frankreich St. Martin, Dulaurier, Carrière, in Deutschland Petermann, A. v. Gutschmid, Vetter, Gelzer, in der Schweiz Baumgartner, in England Conybeare, in Wien die europäisch gebildeten Mechitharisten Aidənean, Dashian etc. Die Grammatiker s. im Flg. wandten sich in theologischem, historischem und linguistischem Interesse den armenischen Studien zu und führten in dieselben den wissenschaftlichen Geist und die methodische Schulung ein, durch deren Mangel die gelehrten Bestrebungen so vieler Armenier ihr Ziel bisher mehr oder weniger verfehlt haben.

Nachdem der Zusammenhang der indogermanischen Sprachen durch Bopp erkannt und nachgewiesen33) Vergleichende Grammatik, Berlin 1833. war, konnte es bei dem klaren Bau der armenischen Sprache nicht lange zweifelhaft bleiben, dass auch sie demselben Sprachkriese angehört. Nur ging man bald weiter und rechnete sie direct den iranischen Sprachen zu44) Vgl. KZ 23, 7; de Lagarde, Arm. Stud. p. 191 flg.. Ob mit Recht oder nicht, konnte nur durch lautliche, auf sichere Etymologien gestützte Erwägungen entschieden werden. Einige richtige Etymologien hatte schon (im J. 1711) Schröder in seinem Thesaurus linguae Armenicae p. 45–47 gegeben, mehr brachten XIVerst nach über hundert Jahren die folgenden Werke: Georg Der Hohannes von Balad, Persisches Wörterbuch in armenischer Sprache, herausgegeben von Hagop Diuzean, Konstantinopel 182611) Vgl. ZDMG. 35, 178.; Petermann, Grammatica linguae Armenicae 1837; Windischmann, Die Grundlagen des Armenischen im arischen Sprachstamme (Abhandl. der bayerischen Akad. IV, 2) 1846; Gosche, De Ariana linguae gentisque Armeniacae indole prolegomena 1847; P. Boetticher, Vergleichung der armenischen Consonanten mit denen des Sanskrit (ZDMG. 4, 347 flg.) 1850; Derselbe, Arica 1851 und Zur Urgeschichte der Armenier 1854; Spiegel, Grammatik der Huzvaresch-Sprache (p. 186 flg.) 1856; Fr. Müller, Abhandlungen zur armenischen Grammatik (Sitzungsb. der Wiener Akademie der Wissenschaften22) Im Folgenden als SWAW. citirt., Wien 1861–1865, über Lautlehre, Declination, Conjugation, Stammbildung, Etymologie); Justi, Handbuch der Zendsprache 1864; Fr. Müller, Armeniaca I SWAW. 1865; de Lagarde, Gesammelte Abhandlungen 1866; Derselbe, Beiträge zur bactrischen Lexicographie 1886; Patkanean, Ueber die Bildung der armenischen Sprache (Journal asiatique XVI) 1870; Fr. Müller, Armeniaca II, 1870, III, 1871, IV, 1874; Hübschmann, Ueber die Stellung des Armenischen im Kreise der indogermanischen Sprachen (KZ. 23, 5–42) 1875. Was an etymologischem Material in diesen Schriften enthalten war, hat de Lagarde in seinen Armenischen Studien, Göttingen 1877 gesammelt und die ansprechend erklärten armenischen Wörter (ungefähr 1100!) mit ihren Etymologien auf p. 166–188 vereinigt, um sich dann im Anhang in der ihm eigenen Weise über seine Mitforscher und deren Arbeiten auszulassen und deren Verdienste ziffernmäßig zu »würdigen«. Die Ziffern sind, wenn es darauf ankam, wer zuerst – nicht wer unabhängig von seinen Vorgängern33) Windischmann war unabhängig von Petermann, Boetticher (in ZDMG. 4) von Windischmann, Verfasser von Boetticher’s Arica und Zur Urgeschichte der Armenier u.s.w., s. KZ. 23, 6–7, Lit. Centralblatt 1879, Sp. 844. – eine Etymologie XVaufgestellt hat, insofern falsch, als Andern gut geschrieben wurde, was den oben erwähnten Der Hohannes und Hagop Diuzean zukam; jedenfalls aber war die »Würdigung« einseitig und ungerecht, einmal, weil sie auf der falschen Anschauung basirte, dass Etymologie und Sprachforschung sich decken, und demnach jeder Sprachforscher, nach welcher Richtung er auch arbeite, nur nach der Zahl der von ihm gefundenen Etymologien zu beurtheilen sei, ferner weil sie ausser Acht liess, dass, wer auf einem schon von Vielen ausgebeuteten Goldfelde arbeitet, nicht mehr so viele Goldkörner finden kann, wie der, welcher es zuerst durchsucht. Sehen wir aber von diesem polemischen Theile ab, so ist es nur gerecht anzuerkennen, dass sich de Lagarde wie durch die früheren Forschungen so durch die Sammkung und Sichtung des etymologischen Materiales in diesen Armenischen Studien sehr grosse Verdienste um die armenische Etymologie – wenn auch nicht als einziger – erworben hat. Nicht so um die Erklärung der armenischen Laut- und Formenlehre und die Erkenntniss der Beziehungen des Armenischen zu den verwandten Sprachen. Während Fr. Müller den einfachen Satz, dass das Armenische iranisch sei, zunächst mit Erfolg verfocht und zur Geltung brachte, war de Lagarde in seinen Gesammelten Abhandlungen (1866), in denen er (s. p. 291) alle möglichen Völker Kleinasiens fälschlich zu Iranieren gemacht hat, in Betreff der Armenier zu einem complicirteren Resultat gekommen, das er (p. 291–291) mit folgenden Worten formulirt: »so ist festgestellt, dass die grundlagen des armenischen lebens in einer uralten zeit gelegt sind. auf sie schichtet sich eine êrânische einwanderung, die auf weiten umwegen und nach vielen kämpfen in das Araratgebiet gelangt ist und darum den ursprünglichen typus der êrânischen sprachen schon vielfach selbständig entwickelt, ja auch wird haben entarten lassen. aber noch ein êrânisches alluvium liegt über jenen beiden älteren gesteinen: die Parther überschwemmen Armenien, errichten dort ein arsacidisches reich, nehmen die beste provinz ganz in ihren XVIbesitz und führen der sprache der Armenier eine sich scharf abscheidende masse êrânischer worte ihres eigenen besitzes zu. ich glaube mich nicht zu irren mit dem zutrauen dass wer überhaupt sprachsinn hat (der ist freilich sehr selten) die drei verschiedenen bestandtheile des armenischen herausfinden wird«. Die Kennzeichen der drei Bestandtheiel giebt de Lagarde hier nicht an, aber in den Nachträgen p. 298–299 will er »wenigstens an ein paar beispielen zeigen wie die verschiedenen bestandtheile der armenischen sprache geschieden werden können«. Das geschieht durch einige dürftige Bemerkungen über die Vertreter der Wurzel skr. khan im Armenischen, über arm. kov, gavazan und xarazan, durch welche die Erkennungszeichen jener drei Bestandtheile keineswegs dargelegt, sondern nur zwei Schichten von Wörtern unterschieden werden11) S. meine Armenische Studien p. 2–3., nämlich Originalwörter und persische Lehnwörter desselben Schlages, während oben ausdrücklich drei Schichten unterschieden wurden, »die grundlagen des armenischen lebens in einer uralten zeit», die darüber geschichtete »êrânische einwanderung – in das Araratgebiet« und über diesen »beiden älteren gesteinen« noch ein «êrânisches alluvium«, das parthische oder arsacidische. Wie immer sich de Lagarde diese drei Schichten gedacht haben mag, so wie er sie annimmt, waren sie nicht vorhanden und sind auch durch die spätere Forschung nicht entdeckt worden. Auch von ihm selbst nicht22) In seinen Beiträgen zur baktrischen Lexikographie (1869), p. 3–4 bemerkt er nur, dass er selbst das Haikanische »als in den Kreis der eranischen Sprachen gehörig erkannt« habe.. Denn nachdem ich in meiner Abhandlung33) Vgl. dazu auch meine Armenica KZ. 23, p. 400–407. »Ueber die Stellung des Armenischen« etc. (KZ 23, 5–42) 1875 die der Entlehnung aus dem Persischen verdächtigen Wörter von den echtarmenischen geschieden, mit Hilfe der letzteren die wichtigsten Lautgesetze der armenischen Sprache erkannt und durch diese dem Armenischen als einem eigenen Gliede der indogermanischen Sprachfamilie XVIIseine Stellung zwischen Iranisch und Slavolettisch angewiesen hatte, erklärte de Lagarde nach summarischer Verwerfung der von mir »in die welt gesendeten irrigen Behauptungen« (Arm. Stud. p. 206), dass die »armenische sprache aus drei bestandtheilen, dem haikanischen, dem arsacidischen (pahlawi), dem sâsânidischen« bestehe, mit dem Zusatz, dass »das haikanische das mittelglied zwischen den érânischen sprachen und dem hellenischen und kymrischen einer-, dem litauischen und slavischen andererseits« sei, dass »die haikanischen (bestandtheile des armenischen) auch der sprachfamilie angehören, deren ältester vertreter das zend ist«, dass »alles was über die stellung des armenischen zur zeit (1877) gewusst werde, seit 1851 von ihm gelehrt worden worden sei, dass er »1866 das zerfallen der sprache in drei Schichten11) Dass diese aber ganz andere waren, wird nicht gesagt. erkannt« habe u.s.w.! Dagegen war in den Symmicta p. 33 bemerkt: »wiederholt22) D.h. 1866 in den Ges. Abh. und 1877 in den Arm. Stud., s. letztere p. 208, Abschnitt E. schon habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass im Armenischen verschiedene schichten erânischer sprache übereinander liegen. alle die zahlreichen wörter, welche das Armenische mit dem neuPersischen identisch besitzt – diese alle sind im Armenischen lehnwörter33) Vgl. KZ 23, p. 8 und ebenda p. 404 meine Bemerkung, dass »jedes armenische Wort, das mit dem entsprechenden perischen vollkommen übereinstimmt, als Lehnwort anzusehen ist«. aus der arsakidischen zeit, und müssen daher – pahlawi sein44) Richtig ist, dass die meisten der persischen Elemente in der Partherzeit, viel weniger in der Sassaniden und Neupersischen Zeit nach Armenien gekommen sind, s. unten p. 12–14. Alle aber sind keineswegs in der Partherzeit entlehnt.. es können nicht sâsânidische wörter sein, da die armenische bibelübersetzung, welche aus der mitte des fünften jahrhunderts stammt, sie bereits im gewöhnlichen gebrauche hat. zu Luculls zeit mögen sie noch nicht den althaikanischen gleich gegolten haben55) Warum nicht diejenigen, welche längst vor Lucull herübergenommen waren?: anzunehmen, dass 430 das haikaXVIIInische von den armenischen Arsakiden feindlichen Sâsâniden seit 250 so tief beinflusst sein sollte, dass jedes zehnte wort sâsânidisch wäre, dies anzunehmen sehe ich keine veranlassung11) Allerdings nicht; was aber nicht ausschliesst, dass eine Anzahl von persischen Wörtern nach 250 entlehnt werden und um 430 in gewöhnlichen Gebrauch übergegangen sein konnte. Und warum werden die Unterschiede zwischen arsacidischem und sassanidischem Persisch, die ich in meinen Persischen Studien 1895 nachzuweisen versucht habe, nicht erwähnt, durch die allein sich positiv nachweisen lässt, dass die meisten (nicht alle) persischen Lehnwörter aus der Partherzeit stammen? H. Gelzer, Zur arm. Götterlehre p. 101 überschätzt den Werth der oben angeführten Bemerkungen de Lagarde’s. Diese zuerst in den Gött. Gel. Anz. 1870, Stück 37, 38 gedruckten Sätze sind in den 1877 erschienenen Symmicta ohne weitere Bemerkungen wieder abgedruckt worden. Die Armenischen Studien sind nach Symmicta p. IV zweimal gedruckt worden, in der vorliegenden Gestalt 1877 in den Abhandlungen der königl. Ges. d. Wissensch. zu Göttingen erschienen. Dort (in den Symm.) hat also das Armenische nur arsacidische, hier (in den Arm. Stud.) arsacidische und sassanidische Lehnwörter.

de Lagarde hat ebenso wie zunächst auch noch Fr. Müller (Ueber die Stellung des Armenischen im Kreise der idg. Sprachen SWAW. 1877) daran festgehalten, dass das Armenische – von der Lehnwörtern abgesehen – im Grunde iranisch sei und bleibe. Ich habe beider Standpunkt in meinen Armenischen Studien22) Vor diesen waren erschienen: Fr. Müller, Armeniaca V, SWAW. 1878, meine Armeniaca I, II, III, ZDMG. 35 und 36 (1881 und 1882) [I, II, III], Patkanean, Materialien zum arm. Wörterbuch (russisch) 1882. – Ueber die Schrift Dervischjan’s: Armeniaca I. Das altarmenische ք, Wien 1877 s. meine Recension in der ZDMG. 30, 774-779. Ich habe mich dieser Arbeit erst jetzt nach Abschluss des Druckes dieser Etymologie erinnert und bei flüchtiger Durchsicht derselben manche Gleichungen gefunden, die später wieder von Anderen neu aufgestellt worden sind, vgl. artasukʿ p. 21, bam p. 11 (doch siehe die Stelle!), erast p. 75, erknč̣im p. 68, luc̣anem p. 50, kor p. 31, mang p. 79, munǰ p. 34, santʿ p. 29, č̣or p. 87, sut p. 6, c̣amakʿ p. 48, c̣elum p. 47, pʿakel p. 58, kʿerel p. 18 u.s.w. Das ändert aber an meinem Gesammturtheil nichts. (Leipzig 1893) p. 5–7 bekämpft und, nachdem ich dort die sicher erklärten echtarmenischen XIXWörter (232 an Zahl) mit ihren indogermanischen Verwandten zuzsammengestellt, auf diese eine armenische Lautlehre begründet, im Anhang auch die Formenlehre kurz besprochen habe, zum letzten Male die Frage erörtert (p. 80–83), ob das Armenische zu den iranischen oder auch nur zu den arischen (indoarischen) Sprachen zu zählen sei. Die Antwort war, dass das Armenische weder zu den iranischen noch zu den arischen Sprachen gehört, sondern ein eigener Zweig des indogermanischen Sprachstammes ist und nur auf Grund der aus dem Persischen entlehnten und irriger Weise für original gehaltenen Wörter zu Unrecht so lange zu den iraniscgen Sprachen gerechnet worden ist. Und dabei ist es geblieben.

Nach Erledigung dieser allgemeinen Frage hat sich seither eine Anzahl von Gelehrten bemüht, die Specialforschung über armenische Etymologie und Grammatik weiter zu führen, so besonders Bartholomae in seinen Beiträgen zur armenischen Lautlehre BB. 10, 1886, in den Studien zur idg. Sprachgeschichte 2. Heft (Idg. sk und skh, p. 1–60) 1891 und in der Abhandlung »Arm. a > gr. o und die idg. Vocalreihen« BB. 17, 1891, Fr. Müller in seinen Armeniaca VI, SWAW. 1890 und seinen zahlreichen Abhandlungen in der WZKM. 5–10, 1891–1896, Sophus Bugge in seinen Beiträgen zur etymologischen Erläuterung der armenischen Sprache I. Christiana 1889, II. KU. 32 (p. 1–81) 1893 (datirt vom October 1890), III. Idg. F. 1 (p. 437–459) 1892 (datirt vom September 1891, Meillet in mehreren Abhandlungen zur Etymologie, Laut- und Formenlehre in den MSL. 8 und 9, 1894–1896. Idg. F. 5, 329 flg. 1895. Dazu Verfasser, Die semitischen Lehnwörter im Altarmenischen ZDMG. 46, 1892, Brockelmann, Die griechischen Fremdwörter im Armenischen ZDMG. 47, 1893.

Die sicheren Resultate, welche die Forschung der genannten Gelehrten und ihrer Vorgänger auf dem Gebiet der armenischen Wortforschung erzielt hat, zu sammeln und den erklärten Sprachstoff nach seiner Herkunft zu sondern, ist der Zweck der vorliegenden »Armenischen Etymologie«. Ich hätte auch das ganze etymologische Material sammeln, kritisch besprechen [XX]und das richtig befundene noch einmal für sich zusammenstellen können, wie es de Lagarde in seinen Armenischen Studien gethan hat, indessen sprechen praktische Gründe gegen die Wiederholung dieses Verfahrens, das ja auch auf andern Gebieten der Etymologie nicht angewandt oder doch nicht wiederholt wird. So habe ich es als meine Aufgabe betrachtet, die richtigen Etymologien aus dem ganzen Material auszuscheiden und zu verzeichnen und die für falsch zu haltenden unberücksichtigt zu lassen. Wie aber lässt sich zwischen richtigen und falschen, zwischen sicheren und unsicheren scheiden und eine feste Grenze ziehen? Zwar bei den Lehnwörtern ist das fast immer leicht, um so schwerer aber in vielen Fällen bei den Originalwörtern, bei denen jeder Beurtheiler die Grenze anders ziehen dürfte. Im Allgemeinen lässt sich wohl sagen, dass eine etymologische Gleichung sicher ist, wenn 1) die Bedeutungen der verglichenden Wörter sich vollkommen decken oder einander so nahe stehen, dass sie sich logisch oder nach sprachlichen Analogien ohne weiters vermitteln lassen, 2) die Laute nicht nur im Ganzen nach ihrer Art und Reihenfolge, sondern auch im Einzelnen gemäss den erkannten Lautgesetzen übereinstimmen. Einzelne Verstösse gegen die Lautgesetze fallen dabei zunächst nicht ins Gewicht, wenn nur sonst die Wörter nach Form und Bedeutung identisch sind (wie z. B. bei skr. hŕd- ‘Herz’ aus idg. *g1hrd- = lat. cord- ‘Herz’ aus idg. *k2rd-), während auch die vollkommenen Identität der Laute bei divergirender Bedeutung nichts zu besagen braucht (vgl. skr. çrad-dhā́ ‘Vertrauen’ nicht = lat. cord- ‘Herz’). Bei der Entscheidung einzelner schwieriger Fälle versagen aber diese allgemeinen Sätze nur zu oft, und es tritt Behauptung gegen Behauptung, bis die Streitfrage durch neue Erkenntnisse entschieden wird. Dabei wirken hier, wo es sich um die Vergleichung armenischer und anderer indogermanischer Wörter handelt, zwei Umstände erschwerend mit. Einmal fehlen noch immer für verschiedene und wichtige indogermanische Sprachen die etymologischen Hilfsmittel, die auf der Höhe XXIder neuesten Forschung stehend die etymologische Willkür einschränken und die Grundlage unserer Wissenschaft befestigen könnten, zweitens sind die Lautverhältnisse des Armenischen noch nicht nach allen Seiten durchforscht, die Lautgesetze nur zum Theil und nicht immer bestimmt genug ermittelt, um nicht der etymologischen Combination einen zu weiten Spielraum zu lassen und der Kritik die Hilfe zu versagen, die sie ihr auf anderen Gebieten leisten.

Während verschiedenen Fragen der armenischen Lautlehre durch Meillet und besonders durch Bartholomae erfolgreich behandelt, die Wortforschung durch Meillet und Fr. Müller gefördert wurde, war es Bugge, der mit gewohntem Scharfsinn und weiter Gelehrsamkeit beide Gebiete in der umfassendsten Weise durchforscht und eine grosse Menge neuer Etymologien und Lautgesetze aufgestellt hat, die, wenn sie richtig wären, die Arbeiten der Vorgänger überragen und einen bedeutenden Fortschritt bezeichnen würden. Nun erhebt sich aber gerade hier die schwierige Frage, ob sie, wenn auch nicht sämmtlich, doch in der überwiegenden Mehrheit richtig sind oder nicht. Meine subjective Ansicht, die sich natürlich erst nach neuen Forschungen als treffend oder verfehlt erweisen wird, ist die, dass einzelnen Etymologien richtig und schon um dieser willen Bugge’s Arbeiten höchst dankenswerth sind, dass aber die Mehrzahl, wenn nicht als falsch, so doch zunächst als unsicher anzusehen ist. Es ist nur folgerichtig, wenn ich die auf jenen Etymologien begründeten Lautgesetze ebenfalls für unsicher halte und demgemäss nicht finden kann, dass sie – Etymologien und Lautgesetze – einander zur Stütze dienen. Icch habe mich daher auch entschliessen müssen, sehr vielen dieser Etymologien die Aufnahme in das vorliegenden Werk zu versagen, freilich nicht ohne schwere Bedenken, da sie nicht die leichte Arbeit irgend Jemandes, sondern die Frucht gründlicher Forschung eines ausgezeichneten Gelehrten sind. Wenn mein Urtheil dennoch im Wesentlichen das Richtige treffen sollte, so muss man, um dies zu erklären, wohl anXXIInehmen, dass das Feld der armenischen Etymologie, nachdem es mehrfach bebaut worden ist, aufgehört hat so fruchrbar und ergiebig zu sein wie früher. Müssen wir doch auch auf anderen Sprachgebieten unter günstigeren Verhältnissen dieselbe Erfahrung machen. Gleichwohl ist zu hoffen, dass wir – wenn auch nur mühsam und allmählich – in der etymologischen Erforschung des Armenischen noch weitere Fortschritte machen werden, wie ja solche auch thatsächlich in der letzten Zeit Dank den Arbeiten Bugge’s, Fr. Müller’s und Meillet’s in beschränkterem Umfange gemacht worden sind. Ich glaube aber, dass uns dabei eine übersichtliche Zusammenstellung des ganzen armenischen Sprachstoffes: Wurzelwörter, Suffixe und Präfixe, wie ich sie für den zweiten Theil dieses Werkes plane, von grossem Nutzen sein wird. In diesem würde sich auch Gelegenheit bieten, die von mir hier nicht aufgenommenen Etymologien kurz anzudeuten, damit künftige Forscher sie beachten und prüfen und, falls sie sich als richtig erwiesen, anerkennen können. Im Uebrigen habe ich selbst manches Zweifelhafte, das ich nicht einfach übergehen, und manches Falsche, das ich dauernd beseitigen wollte, in diesem Theile berücksichtigt und besprochen.

Aus dem Bemerkten ergiebt sich, dass meine Sammlung armenischer Etymologien nicht den Anspruch auf Vollständigkeit schlechthin, wohl aber in der Beschränkung auf die richtigen Etymologien erhebt. Wer also eine früher gegebene Erklärung hier nicht findet, möge annehmen, nicht dass sie mir entgangen sei, sondern dass ich sie für falsch halte11) Dies zur Beachtung für Herrn Menevishean, der (Hantess amsoreay 1896, p. 183) meine Sammlungen für unvollständig hält, weil z.B. folgende Etymologien fehlen: arm. ałius ‘Ziegelstein’ = np. āxīz ‘Mörtel’ (nach Vullerslutum e quo lateres conficiunt, caementum’ etc.); arm. acux ‘Kohle’ = np. āzax nach Vullersputamen vitis, sarmentum’ oder āzuγ, āzōγputatio arboris, ramus’ etc.; arm. akiš ‘Feuerhaken’ = np. ākīš (? bei Vullers nur āgēšsuspensus’) oder āgūǰ, ākaǰ, ākanǰuncus, hamus, harpago’. Es wäre schlimm, wenn ich solche Etymologien aufgenommen hätte.),XXIII und mit seinem Tadel sich zurückhalten, bis sich mein Urtheil als unbegründet erwiesen hat. Meine Sammlung will ferner auch weder die selten vorkommenden griechischen Fremdwörter (s. unten p. 324) noch auch die der spät- und modernarmenischen Sprache angehörigen arabischen, türkischen, neupersischen, lateinischen und französischen Lehnwörter vollständig verzeichnen, da, wie ich (unten p. 280) bemerkt habe11) Darum vermisst Fr. Müller, WZKM 10, 278 mit Unrecht bei mir das Wort arm. šušmir ‘Kardamom’ = np. šūšmīr, šumšīrcardamomum minus’. Ich finde das Wort zudem nur in Bedrossian’s Wörterbuch, das keine Belege giebt.), die meisten dieser Wörter kein besonderes Interesse bieten, und der Gegenstand meiner Arbeit überhaupt nicht das Mittel- und Neuarmenische, sondern eigentlich nur das Altarmenische sein soll. Auch die jüngere Sprache hat gewiss manches altentlehnte oder urarmensiche Wort, das nur zufällig in der Litteratur nicht bezeugt ist, sie kann aber erst dann voll in Betracht kommen, wenn wir eine zuverlässige Sammlung ihres Sprachstoffes besitzen werden, was bisher nicht der Fall ist.

Ich habe die armenischen Wörter nach ihrer Herkunft in entlehnte und echte eingetheilt und die weitere Eintheilung der Lehnwörter in besondere Kapitel von der Frage abhängig gemacht, nicht woher sie in letzter Instanz stammen, sondern aus welcher Sprache sie das Armenische zunächst erhalten hat. Stammt also, wie ich annehme, z.B. pʿilosopʿay zunächst aus dem Syrischen, so war es unter den syrischen Lehnwörtern (s. p. 317) zu verzeichnen, obwohl es die Syrer erst aus dem Griechischen entlehnt haben, während das direct aus dem Griechischen genommene pʿilosopʿos unter den griechischen Lehnwörtern (p. 386) steht. In den einzelnen Kapiteln habe ich für jetzt die alphabetische Anordnung der interessanteren Anordnung nach der Bedeutung aus mehreren Gründen vorgezogen. Die den Lehnwörtern zugesetzten Belegstellen sollen mit Hilfe der p. 38 gegebenen Tabelle der Abkürzungen Antwort auf die Frage geben, in welchem Jahrhundert die Lehnwörter XXIVnachweisbar, ob sie häufig oder selten, eingebürgerte Lehnwörter oder gelehrte Fremdwörter sind. Jenen ist die Bezeichnung ‘alt und häufig’ zugefügt oder den Belegen ist »u.s.w.« odet »etc.« zugesetzt, bei diesen sind nur ein oder zwei Belegstellen ohne diesem Zusatz angeführt11) Vgl. z.B. atʿaš p. 92, barsmunkʿ p. 119, kotak p. 173, vzurk p. 246 u.s.w.) (s. unten p. 338). Die Namen der Urheber habe ich nur bei den im letzten Jahrzehnt (durch Bugge, Fr. Müller und Meillet) neu hinzugekommenen Etymologien genannt.

Gerne hätte ich meine Umschreibung der armenischen Zeichen für u, v, und der mit ihnen zusammengesetzten Vocale (au, av, eu, ev u.s.w.) begründet, um darzuthun, dass sie nicht so willkürlich ist, wie sie dem, der nur die armenische Schrift, nicht die überlieferte oder zu erschliessende Aussprache im Auge hat, erscheinen könnte. Da es sich aber nicht in Kürze thun lässt, verschiebe ich es auf eine andere Gelegenheit. Hier sei nur noch zu Brugmann’s verständigen Bemerkungen (Idg. F. 7, 167 flg.) über die »Transkriptionsmisère« bemerkt, dass der Ausweg aus dieser Misère schon vor langen Jahren durch Lepsius in seinem immer mit Unrecht übersehenen Standard-Alphabet (2. edition, London, Berlin 1863) – leider erfolglos – gezeigt worden ist, und dass, da die Unhaltbarkeit des gegenwärtigen Zusatndes mehr und mehr empfunden wird, vielleicht bald die Zeit gekommen ist, durch eine neue Bearbeitung von Lepsius vortrefflichem Werke zu einer »autoritativen Schreibmethode« zu kommen, der sich die Besonnenen willig unterordnen würden.

Die erste Hälfte dieser Etymologie (p. 1–280) ist gegen Ostern 1895 der Druckerei übergeben worden und im November desselben Jahres erschienen. Daher konnte Justis Iranisches Namenbuch, das erst beim Abschluss dieser ersten Hälfte in meine Hände kam, für die im 1. Abschnitt (p. 17–91) von mir behandelten Namen nicht mehr benutzt werden.

[1]

Vorbemerkungen.

A. Umschreibung. B. Abkürzungen.

A. Ueber die Umschreibung des Armenischen habe ich ZDMG. 30, 53 flg., sowie in meiner Schrift: die Umschreibung der iranischen Sprachen und des Armenischen, Leipzig 1882, gehandelt. Die in der letzteren gemachten Vorschläge halte ich noch jetzt für zweckmässig und ihre Begründung für richtig und gebe ihnen, nachdem ich sie immer wieder geprüft und erprobt und mit den Vorschlägen Anderer gemessen habe, den Vorzug vor diesen. Nur umschreibe ich jetzt ը durch das auf iranischem Gebiet neuerdings so beliebt gewordene Zeichen11) Welches Zeichen aber soll dafür genommen werden, wenn es, wie im Anlaut armenischer Eigennamen, gross zu schreiben ist?) ə, ferner ղ durch ł (gutturales l), nicht mehr durch λ, um die Mischung von griechischen und lateinischen Zeichen zu vermeiden, dann ռ durch , nicht , um nicht den Schein zu erwecken, als ob ein cerebrales r vorläge, endlich օ, das im 12. Jhd. für altes au aufkommt, durch im Unterschied vom ով = , das besonders in griechischen Namen das gr. ω wiedergeben soll. Im Uebrigen bitte ich zu beachten, dass meine Umschreibung kein Ersatz oder Surrogat für das armenische Originalalphabet, das ich daneben anwende, sein soll, vielmehr den Zweck hat, die Aussprache des Altarmenischen, soweit ich sie mit den mir zu Gebote stehenden Mitteln erschliessen kann, möglichst genau zu lehren. Ich darf mich daher gar nicht immer der Originalschrift eng anschliessen, sondern muss von ihr abweichen, wo ich überzeugt bin, dass sie sich nicht mit der Aussprache deckt. Dass wir die alte Aussprache einiger Laute und Lautverbindungen nicht sicher erschliessen können, schafft dabei allerdings Schwierigkeiten, die man aber nur um2geht, nicht löst, wenn man, auf die Umschreibung verzichtend, nur die Originalschrift anwendet. Durch die Umschreibung wird die Frage nach der Aussprache immer wieder angeregt und aufgeworfen; es ist aber eine der Aufgaben der Sprachwissenschaft, die Aussprache der todten Sprachen zu ermitteln. Denn die gesprochene, nicht die geschriebene Sprache ist das eigentliche Object dieser Wissenschaft.

Auf die Aussprache des Altarmenischen komme ich später zurück; hier theile ich nur die Umschreibung mit, die ich nach den angedeuteten Gesichtspunkten im Folgenden anwenden werde. Ich folge dabei der traditionellen Anordnung des armenischen Alphabetes und füge die Diphthonge am Ende hinzu.

ա բ գ դ ե զ է ը թ ժ ի լ խ ծ կ
a b g d e z ē ə tʿ i l x c(=ts) k
հ ձ ղ ճ մ յ ն շ ո չ պ ջ ռ ս վ
h j(=dz) ł č m y n š o č̣(=tʿš) p j(=dž) s v
տ ր ց ւ փ ք օ
t r c̣(=tʿs) v, u pʿ kʿ ô

ով in echt armenischen Wörtern = ov, in griechischen Wörtern11) D.h. aus griechischen Schriften genommenen Namen, die ω enthalten, das durch ով wiedergegeben wird, um es von gr. ο = arm. ո zu scheiden. ) = ō;

ու vor Consonanten = u, vor Vocalen = v22) Ausser in den Imperfecten der Präsensstämme auf -u (wie zenui) und einigen biblischen Eigennamen (Manuēl, Samuēl, Pʿanuēl), in denen auch vor Vocalen u zu sprechen ist.);

ոյ vor Consonanten = oi, vor Vocalen und im Auslaut = oy;

այ vor Consonanten = ai, vor Vocalen und im Auslaut = ay;

աւ vor Consonanten33) Für աւ vor Consonanten tritt im 12. Jhd. օ = ô ein, ausser in աղաւնի ałavni ‘Taube’ und նաւթ navtʿ ‘Naphtha’. ) = au, vor Vocalen und im Auslaut = av;

իւ vor Consonanten = iu, im Auslaut = iv44) Also Abstractsuff. ութիւն = utʿiun, թիւ ‘Zahl’ = tʿiv, aber tʿiv mit dem Artikel n: թիւն ‘die Zahl’ = tʿivn.);

եա = ea.

3

B. Ausser den geläufigen Abkürzungen wie KZ., ZDMG., WZKM. u.s.w. bediene ich mich hier der folgenden:

Achund.
Achundow, die pharmakologischen Grundsätze des Abu Mansur Muwaffak, Halle 1893. Separatabdr.
Ag.
Agathangelos, Geschichte (armenisch), Venedig 1862. V. Jhd.
gr. Ag.
Agathangelos und die Acten Gregors von Armenien (griechisch), ed. de Lagarde, Göttingen 1887.
alt. Wb.
altes armenisches von den Mechitharisten citirtes Wörterbuch.
A. M.
Abu Mansur Muwaffaq, liber fundamentorum pharmacologiae (persisch), ed. Seligmann, Wien 1859.
Anan. Shirak.
Anania Širakuni, mnac̣ordkʿ (armenisch) , ed. Patkanean, Petersburg 1877. VII. Jhd.
Apc.
Apocalypse (armen.). XII. Jhd.
Apg.
Apostelgeschichte (armen.). V. Jhd.
Arist.
Aristakes von Lastiverd (armen.), Venedig 1844. XI. Jhd.
Art. Vir.
The Book of Arda Viraf, Bombay 1872.
A. St.
de Lagarde, Armenische Studien, Göttingen 1877.
A. T.
Altes Testament (armen.), Venedig 1805. V. Jhd.
A. V. G.
Alfred von Gutschmid, Geschichte Irans und seiner Nachbarländer, Tübingen 1888.
Axtarkʿ (Sternbilder), ein astrologisches Büchlein, mittel-armenisch.
Barb.
Barbier de Meynard, Dictionnaire geographique etc. de la Perse, Paris 1861.
Basil.
Basilios, Hexameron (armen.), Venedig 1830. V. Jhd.
BB IV
Bezzenberger, Btrg. z. Kunde der idg. Sprachen, Bd. IV (Nöldeke, Geschichte des Artaxšı̄r i Pāpakān).
Bdh.
Bundehesh, ed. Justi, Leipzig 1868.
C.
Čaxčax, Dizionario armeno-italiano, Venezia 1837.
Car.
Čaṙəntirkʿ (armen.). Von der alten Zeit bis zum XIII. Jhd.
Chron.
Buch der Chronik im A. T. (armen.). V. Jhd.
Cyrill.
Cyrillus v. Jerusalem, Katechese
4David
David d. Philosoph, Uebers. v. Aristoteles, Porphyrius u. s. w., Venedig 1833. V. Jhd. und später.
Deut.
Deuteronomium (armen.). V. Jhd.
El.
Ełišē, Ueber Vardan und den Krieg der Armenier (armen.), Venedig 1859. V. Jhd.
Ephes.
Epheserbrief (armen.). V. Jhd.
Ephrem
Werke des hlg. Ephrem (armen.), Venedig 1836. V. Jhd.
Erznk.
Erznkac̣i, Grammatik, Erklärung des Matthäus etc. XIII.—XIV. Jhd.
Euseb.
Eusebius, Chronik und Kirchengeschichte (armen.). V. Jhd.
Ex.
Exodus (armen.). V. Jhd.
Ezech.
Ezechiel (armen.). V. Jhd.
Eznik
Eznik, Widerlegung der Irrlehren (armen.), Venedig 1826. V. Jhd.
FB.
Faustus von Byzanz, Geschichte (armen.), Venedig 1832. V. Jhd.
Fird.
Firdusi, ed. Vullers. [1 | 2 | 3]
Fraenkel
Fraenkel, die aramäischen Fremdwörter im Arabischen, Leiden 1886.
Gal.
Galaterbrief (armen.). V. Jhd.
Ganj.
Ganjeshāyagān, Andarze Ātrepāt Mārāspandān, Mādigāne Chatrang and Andarze Khusroe Kavātān, by Peshutan Dastur Behramji Sanjana, Bombay 1885.
Ganjaran
Ganjaran, Sammlung kirchlicher Lieder des Narekac̣i (X. Jhd.), Šnorhali (XII. Jhd.) und Späterer.
Gen.
Genesis (armen.). V. Jhd.
Geop.
Girkʿ Vastakoc̣, Geoponica (mittelarmenisch), Venedig 1877, XIII. Jhd. (oder XII. Jhd.?; s. Hantess 1889, p. 2).
Ges. Abh.
de Lagarde, Gesammelte Abhandlungen, Leipzig 1866.
Gesch. Georg.
Geschichte von Georgien (aus dem Georgischen ins Armenische übersetzt), Venedig 1884. Zwischen XI. und XIII. Jhd.
Gl. and Ind.
Glossary and Index of the Pahlavi texts u.s.w., by E. W. West, Bombay-London 1874.
5Guj. Ab.
Barthelemy, Gujastak Abalish, Paris 1887.
Hebr.
Hebräerbrief (armen.). V. Jhd.
Hoffmann
G. Hoffmann, Auszüge aus syrischen Acten persischer Märtyrer, Leipzig 1880.
Horn, Grdr.
Horn, Grundriss der neupersischen Etymologie, Strassburg 1893.
Horn, Sieg.
Horn, Sassanidische Siegelsteine, Berlin 1891.
Jac. Nisib.
Jacob von Nisibis (falsch für Afraates im Wb.), Reden. V. Jhd.
Jaism.
Jaismavurkʿ (Heiligenleben). XIII.–XIV. Jhd.
Jerem.
Jeremias (armen.). V. Jhd.
Jes.
Jesaias (armen.). V. Jhd.
Joh.
Johannesevangelium (armen.). V. Jhd.
Joh. Kath.
Johannes Katholikos, Geschichte (armen.), Moskau 1853. X. Jhd.
Joh. Mam.
Johannes der Mamikonier, Geschichte von Taraun (armen.), Venedig 1832. VII. Jhd.
Joh. Phil.
Johannes der Philosoph (armen.), Venedig 1834. VIII. Jhd.
Joh. Van.
Johannes Vardapet, gen. Vanakan (armen.). XIII. Jhd.
Kanon.
Kanones (armen.). V.–VIII. Jhd.
Kg.
Buch der Könige (armen.). V. Jhd.
Kir.
Kirakos von Gandzak, Geschichte (armen.), Venedig 1865. XIII. Jhd.
Kor.
Korintherbrief (armen.). V. Jhd.
Koriun
Koriun, Leben des hlg. Maštʿoč, Venedig 1833. V. Jhd.
Lambr.
Nerses von Lambron (armen.). XII. Jhd.
Laz.
Lazar von Pharp, Geschichte (armen.), Venedig 1873. V. Jhd.
Leb. d. Väter
Leben der heiligen Väter (armen.), Venedig 1855, in doppelter Recension, die ältere vom V. Jhd., die jüngere bis zum XII. Jhd.
Lev.
Leviticus (armen.). V. Jhd.
Levond
Levond, einfall der Araber (armen.), Paris 1857. VIII. Jhd.
Luc.
Lucasevangelium (armen.). V. Jhd.
Maccab.
Maccabäer (armen.). V. Jhd.
6Magistr.
Grigor Magistros, Briefe etc. (armen.). XI. Jhd.
Mal.
Małakʿia der Mönch, Geschichte (armen.). XIII. Jhd.
Martin
Fra Martʿin (armen. Uebers.). XIV. Jhd.
Mašt.
Maštoc̣ (armen. Ritual). Vom V. Jhd. an.
Mc.
Marcusevangelium (armen.). V. Jhd.
Mech.
Mechithar Goš, Fabeln und Rechtsbuch (armen.). XII. Jhd.
Mech. d. Arzt
Mechithar Herac̣i, Ueber die Fieber (armen.). Vom Jahr 1184.
Med. Schr.
Medicinische Schriften des XIII.–XV. Jhd.
MGg.
Geographie des Moses, Venedig 1865; ed. Soukry, Venedig 1881; ed. Patkanean, Petersburg 1877 (armen.). VII. Jhd.?
Michael
Michael der Syrer, Chronik (armen.) , Jerusalem 1870. XIII. Jhd.
Min.
West, the Book of the Mainyo-i-khard, Stuttgart-London 1871.
Min. Gl.
das Glossar dazu.
Mos.Kal.
Moses Kałankatvac̣i, Geschichte von Albanien (Ałvankʿ), Paris 1860, Moskau 1860. (armen.). VII. Jhd., das letzte (3.) Buch IX.–X. Jhd.
Mt.
Matthäusevangelium (armen.) V. Jhd.
Mt. Urh.
Matthäus von Uṙha, Geschichte (armen.). XII. Jhd.
MX.
Moses von Chorene, Geschichte von Armenien (armen.), Venedig 1865. V. Jhd. (Nach Carrière 7–8 Jhd.).
Narek.
Werke des Gregor von Narek (armen.), Venedig 1840. X. Jhd.
Nöld. Aufs.
Nöldeke, Aufsätze zur persischen Geschichte, Leipzig 1887.
» Stud.
Nöldeke, Pers. Studien I, Wien 1888; II, Wien 1892.
» syr. Chron.
Nöldeke, die von Guidi herausg. syrische Chronik übersetzt und commentirt,Wien 1893.
N. P.
Geschichte des hlg. Nerses des Parthers, von Mesrop dem Priester (armen.), Venedig 1853. X. Jhd.
N. T.
Neues Testament (armen.), Venedig 1877. V. Jhd. (ausser der Apc.).
Num.
Numeri (armen.). V. Jhd.
7Oskiph.
Oskiphorik (Miscellen, armen.), nach dem XII. Jhd.
Osk. Mt. Joh. Es. Paul.
Oskeberan (= Chrysostomus), Erklärung des Matthäus, Johannes (bis zur 13. Rede), Esaias, der Paulusbriefe (armen.), Venedig 1826–1880. V. Jhd.
Patk. I und 11
Patkanean, Materialy dlja armjanskago slovarja, Petersburg 1882–1884.
Petr.
Petrusbriefe (armen.). V. Jhd.
Phl. Min.
Andreas, the Book of the Mainyo-i-khar d, Kiel 1882.
Pit.
Moses von Chorene(?) yałags pitoyic̣ (armen.), Venedig 1865. V. Jhd.?
P. N.
Pand-nāma i Ādarbād Mārāspand, by Herbad Sheriarjee Dadabhoy, Bombay 1869.
PPGl.
an old Pahlavi-Pazand Glossary, Bombay-London 1870.
Pred. Sal.
Prediger Salomo = Ecclesiastes (armen.). V. Jhd.
Pseud.
Pseudocallisthenes, Geschichte Alexanders, Venedig 1842 (armen.). V. Jhd.
P. St.
Hübschmann, Persische Studien, Strassburg 1895.
Röm.
Römerbrief (armen.). V. Jhd.
Salom.
Weisheit Salomonis (armen.). V. Jhd.
Sb.
Sebēos, Geschichte des Heraclius, ed. Patkanean, Petersburg 1879 (armen.). VII. Jhd.
Seber.
Seberianos, Homilien (armen.), Venedig 1827. V. Jhd.
Shk.
Shikand-gumānīk-vičār, Bombay 1887.
Sokr.
Sokrates, Kirchengeschichte (armen.). VII. Jhd.
Sprüche Salom.
Sprüche Salomonis (armen.). V. Jhd.
Steph. Asol.
Stephannos von Taraun, gen. Asołik, Geschichte (armen.), Paris 1849. Ende des X. Jhd.
» Orb.
Stephannos Orbēlean, Geschichte von Siunikʿ (armen.), Paris 1859. XIV. Jhd.
» Siun.
Stephannos von Siunikʿ, Uebersetzer vieler Werke ins Armenische. VIII. Jhd.
Šar.
Šarakan (Kirchenlieder, armen.). V.–XII Jhd.
Šnorh.
Werke des Nerses Šnorhali (armen.). XII. Jhd.
Tab.
Nöldeke , Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sassaniden. Aus der arabischen Chronik des Tabari übersetzt u.s.w., Leyden 1879.
8Thom.
Thomas Artsruni, Geschichte (armen.), Petersburg 1887. X. Jhd.
Tim.
Timotheusbrief (armen.). V. Jhd.
Tonak.
Tônakan (armen.). VIII. Jhd. und jünger.
Vardan
Vardan, Geschichte (armen.), Venedig 1862. XIII. Jhd.
Wb.
Wörterbuch der armenischen Sprache (armen.), Venedig 1836–1837.
West, PT.
West, Pahlavi Texts I–IV, Oxford 1880–1892.
Yatk.
Geiger, das Yātkār i Zarērān etc., München 1890.
Zenob
Zenob, Geschichte von Taraun (armen.), Venedig 1832. VII.–IX. Jhd. (nach Chalathiantz).
ZPGl.
an old Zand-Pahlavi Glossary, Bombay-London- Stuttgart 1867.

Die armenischen Citate ohne Angabe der Seitenzahl sind dem Wörterbuch der Mechitharisten (Wb.) entnommen.

9

I. Theil

Die persischen Lehnwörter im Armenischen.

Nachdem die Armenier durch Cyaxares (634–594 resp. 625–585 11) Nöld. Aufs. p. 9.) dem medischen Reiche unterworfen worden waren, geriethen sie nicht lange danach unter das Joch der Perser, das sie immer von Neuem abzuschütteln suchten, um es immer wieder aufnehmen und schliesslich über ein Jahrtausend tragen zu müssen. Als die persischen Provinzen sich nach dem Tode des falschen Smerdis gegen Darius (seit 521 König) empörten, fehlte auch Armenien nicht und Darius hatte Mühe, seiner Herr zu werden, zumal, wie es scheint, der Aufstand der Armenier im Zusammenhang mit dem der Meder unter Phraortes (Fravartiš) stand. Doch bezwang Darius den Aufstand, nachdem seine Feldherrn, der Armenier Dādaršiš und der Perser Vaumisa den Empörern fünf Schlachten in Armenien und Assyrien geliefert und er selbst die Meder in Medien geschlagen und den Phraortes gefangen genommen und gekreuzigt hatte. Seitdem verhielten sich die Armenier ruhig, solange das Achämenidenreich bestand. Beim Zuge des jüngeren Cyrus gegen Artaxerxes II. i. J. 401 finden wir den Tiribazos als Hyparch des westlichen Armeniens22) Xenophon, Anab. IV, 4, 4.), Orontas, den Schwiegersohn des Artaxerxes II. als Statthalter des östlichen Armeniens33) Anab. III, 5, 17.), in dessen von Vidarna, dem Mitverschworenen des Darius abstammender Familie44) Strabo 531.) die Satrapie auch im 4. Jhd. verblieb55) Judeich, Kleinas. Stud. p. 221–225.).

Während der macedonischen Wirren scheint Armenien ziemlich ruhig und nur mehr dem Namen nach abhängig gewesen zu sein. Auch von dieser Abhängigkeit machte es sich 10frei, als Antiochos der Grosse, der sich einigemal in die armenischen Angelegenheiten eingemischt hatte (A. v. G. 36), von den Römern 189 a. Chr. geschlagen worden war, indem sich Grossarmenien und Sophene als eigene Reiche unter Artaxias und Zadriades11) A. v. G. 40. Bei Strabo 531: Ἀρταξίου τε και Ζαριάδριος.), die früher Strategen des Antiochus gewesen waren, nach dessen Niederlage aber sich den Römern angeschlossen hatten, constituirten. Zwar wurde Artaxias (arm. Artašēs), nachdem er vom Atropatenischen Reiche einige Provinzen erobert hatte, von Antiochus IV. Epiphanes (175–164) bekriegt und gefangen genommen, erhielt aber später sein Reich von diesem wieder zurück.

Mit dem Nachkommen (wohl Enkel) dieses Artaxias, Tigranes II. von Armenien tritt Armenien wieder in nähere Beziehungen zu Persien. Nach einem Kriege mit den Parthern hatte der König von Armenien den Parthern seinen Sohn Tigranes II. als Geisel stellen müssen. Ihn setzte der Partherkönig Mithridates II. der Grosse an Stelle des Artavasdes I. (wahrscheinlich der Bruder des Tigranes) 94 a. Chr. auf den armenischen Thron und erhielt dafür 70 Thäler von Armenien als Lohn (A. v. G. 80). Später eroberte aber Tigranes nicht nur diese Thäler wieder, sondern auch mehrere Provinzen des Partherreiches und nahm den Titel König der Könige an (A. v. G. 81—82, Strabo 532). Doch musste er diese Eroberungen bald wieder aufgeben, als Lucullus nach dem Siege über Mithridates von Pontus, den Schwiegervater des Tigranes, gegen ihn zog. Als sich nun auch sein Sohn, Tigranes der Jüngere, mit dem Vater entzweite und die Parther ins Land führte, floh Tigranes in die Gebirge, kehrte aber nach dem Abzug der Parther zurück, besiegte den Sohn und unterwarf sich dem Pompejus, der ihm glimpfliche Bedingungen gewährte, den Sohn auslieferte und die den Parthern abgenommene Provinz Korduene überliess (A. v. G. 84), später auch den Streit zwischen Tigranes und dem Partherkönig Phraates um das von beiden beanspruchte Gebiet schlichtete (A. v. G. 85).

Von nun an bleibt der Inhalt der armenischen Geschichte bis zum Ende der Sassanidenherrschaft stets der gleiche: zwei 11rivalisierende Weltreiche, das der Parther und Römer, später das der Perser und Byzantiner streiten um den Besitz des zwischen ihnen liegenden Grenzlandes Armenien, das durch seine Neigung zur Empörung gegen den jeweiligen Oberherren und durch die innern Streitigkeiten des mächtigen Feudaladels dem Auslande immer von Neuem Anlass oder Vorwand zur Intervention gab. Nur die Namen der durch den Adel in ihrer Macht meist sehr beschränkten Könige wechseln und eine neue, arsacidische Dynastie kommt unter dem Partherkönig Vologese I. durch dessen Bruder Tiridates, der imJahre 66 p. Chr. von Nero in Rom zum König von Armenien gekrönt wurde, zur Herrschaft und hält sich dort, bis nach der Theilung Armeniens zwischen Persien und Byzanz i. J. 387 der letzte Arsacide, Artašēs, vom Perserkönig Bahrām V. Gōr i. J. 428 entthront wurde11) Laz. 69.), worauf das persische Armenien bis zum Untergang des Sassanidenreiches i. J. 640 von persischen Marzpanen (Markgrafen) regiert wurde. Seitdem hören die engen Beziehungen zwischen Persien und Armenien, die sich freilich schon zur Sassanidenzeit durch die Annahme des Christenthums von Seiten der Armenier gelockert hatten, auf und wurden auch später nicht wieder geknüpft, als Shah Abbas der Grosse (1586—1628) einen Theil Armeniens dem persischen Reiche vorübergehend wieder unterwarf.

So feindselig nun auch die Beziehungen der Armenier zu den Persern oft waren, so hat doch im Laufe der Jahrhunderte die höhere persische Kultur in Krieg und Frieden auf die Armenier intensiv eingewirkt und ihnen gegeben, was sie vor der Annahme des Christenthums an Bildung überhaupt besassen. Trotz des römischen Einflusses ist Armenien zur Partherzeit, wie Mommsen, Römische Geschichte V, p. 356 bemerkt, »immer ein ungriechisches Land geblieben, durch die Gemeinschaft der Sprache22) Das gilt nicht von der Volkssprache.) und des Glaubens, die zahlreichen Zwischenheirathen der Vornehmen, die gleiche Kleidung und gleiche Bewaffnung an den Partherstaat mit unzerreissbaren Banden geknüpft«. Kein Wunder also, dass wie die Religion so auch die Sprache der Perser besonders in den massgebenden Kreisen des Adels und der Geistlichkeit Eingang fand. 12Bedurfte man ihrer doch durchaus im Verkehr mit dem persischen Hofe, wie mit den persischen Beamten in Armenien, die schwerlich jemals etwas von der nationalen, vom Persischen ganz abweichenden und schwer sprechbaren Sprache des armenischen Volkes verstanden. Auch das letztere wird nicht ganz ohne Kenntnisse des Persischen geblieben sein. Als die Griechen Xenophons durch Armenien zogen und von den armenischen Frauen und Mädchen eines Dorfes gefragt wurden, wer sie seien, antwortete ihnen der Dolmetscher auf persisch (περσιστί), dass sie vom König kämen und zum Satrapen wollten (Anab. IV, 5, 10). Und als Cheirisophos und Xenophon wissen wollten, durch welches Land sie ziehen, lassen sie durch den persisch redenden Dolmetscher (διὰ τοῦ περσίζοντος ἑρμηνέως) die Frage an den armenischen Ortsvorsteher richten (Anab. IV, 5, 34). Dass aber die offizielle Sprache des armenischen Königshofes, seitdem und ehe er arsacidisch war, die persische war, beweisen die Namen der von den Königen gegründeten Städte und anderer königlicher Anlagen in Armenien, die wohl alle persische, nicht armenisch sind. Vgl. unten die Namen auf -šat (wie Artašat u. s. w.) und -kert (wie Tigranakert, Xosrovakert u. s. w.). Auch die vor der Erfindung des armenischen Alphabetes (Anfang des 5. Jhd. p. Chr.) in Armenien gebräuchliche Schrift war die persische11) Vgl. MX. Buch III, Cap. 52, p. 245.) (pehlevi), mit der man natürlich nur Persisch, nicht Armenisch schrieb.

Die hier kurz angedeuteten Verhältnisse machen es begreiflich, sowohl dass das Armenische eine grosse Menge Lehnwörter aus dem Persischen aufgenommen hat, wie dass die Aufnahme der meisten Wörter zur Partherzeit — nicht zur Sassanidenzeit, in der die Glaubensverschiedenheit die Armenier mehr und mehr den Persern entfremdete — stattgefunden hat. Dass dies der Fall ist, zeigt die Lautgestalt der Mehrzahl dieser im Folgenden gesammelten Lehnwörter, die sich mit derjenigen deckt, welche die Pehlevischrift voraussetzt. Diese Wörter weichen im Wesentlichen nur dadurch von dem geschriebenen Pehlevi ab, dass sie rh (aus hr) für alt phl. tr = θr und h für phl. s = θ (P. St. 203 und 210) haben, also eine jüngere Form bieten, die aber immer noch in den Anfang un13serer Zeitrechnung und vor denselben gehören kann (P. St. 207). Zur Zeit der Entlehnung bestanden nicht nur k, t, p, č nach Vocalen noch als Tenues, sondern auch δ (nach Vocalen) war noch nicht zu y oder h (P. St. 201) und anl. vor Vocalen noch nicht zu š (P. St. 234—235) geworden. d. h. ihre Entlehnung hat zur Partherzeit stattgefunden. Freilich giebt es auch Lehnwörter, die sassanidische Lautform zeigen, also zur Sassanidenzeit aufgenommen worden sind, aber sie sind an Zahl geringer. Am klarsten tritt der Zeitunterschied in der Entlehnung bei denjenigen Wörtern hervor, welche zweimal, sowohl in der Parther- wie in der Sassanidenzeit aus dem Persischen genommen worden sind, wie es der Fall ist bei parth. arm. Ari-kʿ, gen. Are-ac̣ (mit armenischen Pluralendungen) für ap. Ariya- = sassanid. arm. Eran für mp. Ērān = ap. Ariyānām, phl. Aryān, jünger Airān = Ērān; parth arm. Aramazd für ap. Auramazdā, phl. Ohrmazd = sassanis. arm. Ormizd für mp. Hormizd; parth. arm. Vahagn für zd. vərə-θraγna-, alt phl. Varahrān = sassanid. arm. Vahram für jung phl. Vahrām; parth. arm. asparapet für ap. *spāδapati- = sassanid. arm. aspahapet für jung phl. spāhpat; part. arm. Spandarat für ap. *Spandaδāta- (? s. unten und P. St. 201) = sassanid arm. Spandiat für mp. Ispandyāδ; parth. arm. ašxarh für ap. xšaθra-, alt phl. šatr = šaθr = sassanid. arm. šahr für mp. šahr; parth. arm. Vrkan für ap. Vrkāna = sassanid. arm. Gurgan für mp. Gurgān; parth. arm. Vrkēn für ap. *vrkaina-(?) = sassanid. arm. Gurgēn für mp. *Gurgēn, np. Gurgīn (P. St. 149, 158, 163); parth. arm. yavēt, yavitean für zd. yavaetāt = sassanid. arm. ǰavitean für mp. jāvēdān (P. St. 153); parth. arm. mehekan für phl. Μιθράκανα = sassanid. arm. mihrakan für mp. np. mihragān.

Ich kann es nicht unternehmen, die ungefähre Zeit, zu der die einzelnen Wörter entlehnt worden sind, zu bestimmen, soweit eine solche Bestimmung überhaupt möglich ist. Als Hauptmittel dazu dient die persische Lautgeschichte, die ich in meinen P. St. mit steter Berücksichtigung der ins Armenische entlehnten Wörter dargelegt habe und auf die ich hier im Allgemeinen verweise, um unten bei der Besprechung der einzelnen Wörter nach Bedürfniss die Stellen speziell zu citiren, an denen sie behandelt worden sind. Bei der Beurtheilung der 14armenischen Wörter, bei der Umsetzung derselben in ihre ursprüngliche persische Gestalt darf man aber die Veränderungen nicht unbeachtet lassen, die sie durch das armenische Alphabet und die armenischen Sprachgesetze erfahren haben: man muss in Anschlag bringen, was an ihnen specifisch armenisch ist, Dabei ist das Folgende zu erwägen: 1. dass das armenische Alphabet keine Bezeichnung der Vocallängen kennt, da die Sprache keine einfachen Langvocale11) Der Vocal, den wir ē umschreiben, war, obwohl dipgthongischen Ursprungs, im Altarmenischen des 5. Jhd. wohl auch kein eigentlich langer Vocal mehr.) hat; 2. das pers. ē und ō durch e oder ē, o oder oi wiedergegeben werden; 3. dass für die alten Lehnwörter die armenische Vocalgesetze22) Diese Gesetze haben gewisse, aber ganz wenige und bestimmte Ausnahmen und gelten sonst in Tausenden von Fällen.) gelten, nach denen a) die Vocale ē und oi nur in der letzten Silbe bleiben, ausserhalb dieser aber zu i oder u werden, b) die Vocale i und u nur in der letzten Silbe bleiben, ausserhalb dieser aber ausfallen, c) der Diphthong ea nur in der letzten Silbe bleibt, ausserhalb dieser aber zu e wird33) Diese Gesetze gelten nicht mehr für die jungen Lehnwörter); 4. dass pers. umgestellt und also zu šx wird; 5. dass pers. hr in alter Zeit zu rh oder h wird, während in jüngeren Lehnwörtern hr bleibt (P. St. 205); 6. dass das Armenische kein f hat und daher pers. fr durch hr, pers. ft, fs, durch ut, us, , pers. f im Anlaut vor Vocalen und inlautend nach Vocalen durch pʿ wiedergiebt (P. St. 186—188). Auf dialektalische Verschiedenheiten deuten diese Lehnwörter nur in seltenen Fällen, vgl. nj (= ndz) für pers. in Ganjak, ganj, brinj und płinj (P. St. 231—232) und bar ‘Thür’ in barapan neben dar in darapan (P. St. 116, 166).

Gern hätte ich die pers. Lehnwörter in drei Abtheilungen getheilt: in parthische, sassanidische und neupersische Lehnwörter. Da aber die Unterscheidung sich in vielen Fällen nicht durchführen lässt, habe ich darauf verzichten müssen. doch glaubte ich wenigstens die Wörter ausscheiden zu sollen, die, nach der Art ihres Vorkommens und ihrer Lautgestalt zu urtheilen, erst in neupersischer Zeit (meist nach dem 11. Jhd.) entlehnt worden sind. Auch bei ihnen ist die Entscheidung 15nicht immer sicher zu treffen und meine Eintheilung nicht frei von Willkür. Indessen tragen doch viele die Zeichen ihrer späten Entlehnung deutlich an sich: diejenigen nämlich, die mit p, t, č für b, d, ǰ oder mit b, d, ǰ für p, t, č geschrieben werden11) Vgl. պատրուճ patruč, zu sprechen badruǰ Geop. 169, 3 = np. bādrūǰ ‘Basilienkraut’ Achund. Nr. 57.), also nach der zweiten Lautverschiebung, die etwa mit dem 11. Jhd. beginnt, aufgenommen worden sind, ferner diejenigen, welche in arabisirter Gestalt vorliegen22) Vgl. նարինջ narinǰ Mech. Fab. p. 21 = np. nāränǰ ‘bittere Apfelsine, Pomeranze’ (Rosen, Np. Sprachführer 36) = arab. nārānǰ aus älterem nārang.). Bei den letzteren bleibt es unentschieden, ob sie aus arabischer oder persischer Quelle stammen. Ich habe sie daher nebst den übrigen np. Lehnwörtern mit den arabischen Lehn- oder Fremdwörtern, die ihrerseits wieder durch Vermittlung des Neupersischen, das ja früh zahlreiches Sprachgut aus dem Arabischen aufgenommen hat, ins Armenische gekommen sein können, im 3. Abschnitt zusammengestellt, der also die jüngsten Lehnwörter des Schriftarmenischen vereinigt. Sie kommen meist in den gleichen späten Quellen vor: medicinische Schriften (aus dem Persischen und Arabischen übersetzt), Geoponica (aus dem Arabischen), Oskiph. u. s. w. und sind zum grössern Theil gelehrten Ursprungs.

Um den Einfluss des Persischen auf das Armenische vollständig darzulegen, musste ich auch die zahlreichen Eigennamen aufführen, die die Armenier — besonders der Adel — von den Persern genommen haben. Auch diese rühren zum grössten Theil aus der Partherzeit33) Aber schon die Keilinschriften nennen einen Armenier mit einem Namen, den auch ein Perser trägt und der, wenn er genau wiedergegeben und nicht persificirt worden ist, persisch war: Dādarši-. Der Name des zweiten Armeniers, der hier genannt wird, Araza- ist dunkel.) her und bewahren in Armenien zäh ihre alte Lautform, ohne sich von den jüngeren Formen des sassanidischen Persien beeinflussen zu lassen. Vgl. Atrpatakan, Vrkan, Yazkert, Všnasp, Artašir (= sassanid. Ardašir), Kavat (= sassanid. Kavāδ) u. s. w. Ich füge aber diesen Namen auch diejenigen persischen Namen hinzu, die, nur in Persien vorkommend, in armenischen Quellen er16wähnt werden, obwohl sie eigentlich als Fremdwörter nicht hierher gehören. Sie verdienen deshalb gesammelt zu werden, weil die armenische Form uns am besten die persische Aussprache lehrt und für die persische Lautlehre von Wichtigkeit ist. Das ist eben der Werth der vorliegenden Sammlung, dass sie uns einen Ausschnitt des mittelperischen (pehlevi) Wörterbuches in einer Form bietet, wie wir sie gleich gut aus persischen und anderen Quellen nicht erhalten.

Die Sammlung hat aber dadurch, dass sie das persische Lehngut scharf von dem echt armenischen Sprachgut scheidet, auch einen besonderen Werth für das Armenische selbst. Denn der früher geführte Streit, ob das Armenische ein iranisches Idiom oder eine selbständige indogermanische Sprache ist, erledigt sich von selbst, wenn die hier zusammengestellten Wörter im grossen Ganzen mit Recht als persische Lehnwörter zu gelten haben. Nur diese Wörter, für echt armenisch gehalten, konnten den Schein hervorrufen, als ob das Armenische iranischen (richtiger: persischen) Lautcharakter hätte. Werden sie dagegen als Lehnwörter betrachtet, so fehlt der iranische Hypothese jedwede Stütze. Dass sie aber wirklich Lehnwörter sind, beweisen die Lautverhältnisse dieser Wörter überzeugend. Ich kann allerdings diesen Beweis nicht für jedes einzelne Wort führen: so leicht er in den meisten Fällen zu erbringen wäre, so überflüssig wäre er. Es genügt im Allgemeinen den Weg zu zeigen, der zu diesen Beweisen führt: man erschliesse in jedem fraglichen Falle die indogermanische Grundform und behandele diese einmal nach den armenischen Lautgesetzen, wie ich sie in meinen armenischen Studien p. 57 flg., dann nach den persischen Lautgesetzen, wie ich sie in meinen perischen Studien p 113 flg. aufgestellt habe, und man wird finden, dass die persische Form desselben Wortes fast in 99 von 100 Fällen eine ganz andere als die armenische ist, weil eben die persischen Lautgesetze total verschieden von den armenischen sind. Positiv ausgedrückt: wenn ein armenisches Wort bei gleicher Bedeutung sich mit einem persischen deckt, ist es entlehnt. In einzelnen Fällen kann allerdings das persische und echt armenische Wort sich lautlich decken und die Frage, ob Entlehnung anzunehmen ist oder nicht, muss dann nach andern als sprachlichen Gesichts17punkten entschieden werden. Das ist z.B. der Fall bei nav ‘Schiff’, das entlehnt sein könnte (wie navaz ‘Schiffer’ sicher entlehnt ist), das aber auch von nach armenischen Lautgesetzen direct aus idg. nāv- hervorgegangen sein könnte. Aber solche Fälle sind sehr selten und werden noch seltener werden, je tiefer wir in die Erkenntnis der armenischen Lautgesetze, die zum Theil noch nicht hinreichend erforscht sind, eindringen weren.

1. Abschnitt: Persische Namen.

Azarmiduzt s. unten unter duxt.

1. Աթաշփոդայ At͑ašxoday persischer Heerführer Mos. Kal. I, 207, Steph. Orb. I, 75, 110

= pāz. ātaš ‘Feuer’ + xvadāi ‘Herr’.

Aždahak s. unter Biusrap.

2. Ահմատան Ahmatan MX. 135, Ahmatan (šahastan ‘Hauptstadt’) Sb. 53, Ahmadan District in Medien MGg. 613

= ap. Hagmatāna-, gr. Ἀγβάτανα (Herodot), aram. אַחְמְתָא Esra 6, 2, syr. אחמתן (Pesch.) ZDMG. 31, 148, אחמדן (vom Jahre 553) ZDMG. 43, 407, phl. Ahm(atān) der Münzen ZDMG. 19, 393; 33, 117, später Hamatān Bdh. 56, 1, np. Hamadān die Hauptstadt des alten Mediens.

3. Աղանայոզան Ałanazoyan, der ein Pahlav war aus der Familie der Arsaciden11) Die Zusätze zu den armenischen Namen sind wörtliche oder abgekürzte Citate aus den angeführten armenischen Autoren.), General des Perserkönigs Šapuh FB. 152 = Ալանաոզան Alanaozan (lies Alanayozan), ein Pahlavik, Verwandter des Königs Aršak (von Armenien), General Šapuh’s MX. 221,

vgl. Ռազմիոզան Ṙazmiozan = pers. *razmyōzān (s. unten) und Աղան Ałan (?) ein Artsrunier Laz. 15 etc., Զանդաղան Zandałan (?) ein Armenier յ Ոստանեայ տանէն ‘aus dem Ostanischen Hause’ Laz. 176.

4. Անակ Anak ἐθνάρχης τῆς τῶν Πάρθων δεσποιτείας gr. Ag. 36, aus der Familie Surēn Pahlav MX. 154, FB. 6, Laz. 5,

18vgl. phl. Anakduxt ZDMG. 44, 654 (von Justi, ZDMG. 46, 282 bezweifelt), phl. anāk ‘böse’ Gl. and Ind. p. 42.

5. Անահիտ, eine Göttin: die grosse Herrin Anahit Ag. 51 (Tochter des Aramazd), 54, 61, 106, MX. 294 (Brief an Sahak Artsruni), Pseud. 42; an dem Götterort, den man Thron der Anahit (Handschr. Nahat) nennt FB. 219, z. 1; dazu anahtakan ‘anahitisch’: der anahitische Tempel (mehean Anahtakan) im Dorfe Erēz im District Ekełeac̣11) D. i. Akilisene bei Strabo 532: τὰ δὲ (ἱερα) τῆς Ἀναΐτιδος διαφερόντως Ἀρμένιοι (τετιμήκασι), ἔν τε ἄλλοις ἱδρυσάμενοι τόποις καὶ δὴ καὶ ἑν τῇ Ἀκιλισηνῇ. Vgl. Hoffmann p. 135.) Ag. 49, 590; das Bild (= Statue) der Anahit (Anahtakan patker) Ag. 50; der Tempel der anahitischen Gottheit anahtakan dic̣) in Artašat Ag. 584; sie zerbrachen das goldene Bild (= Statue) der anahitischen Gottheit (anahtakanac̣ dic̣) Ag. 591.

= zd. Anāhita, ap. Anahata (falsch für *Anāhitā), phl. Anāhit (vgl. N. pr. Anāhitpanāh ZDMG. 44, 674; 46, 287), syr. Anāhēδ Nöldeke im Festgruss an Roth 34; pāz. Anāhīδ ‘der Planet Venus’ Shk. 228, pers. Anāhēδ: der Feuertempel22) »Im Tempel der Göttin Nāhēt (noch mit t) in Istahr (so!) wurden um’s Jahr 340 die Köpfe christlicher Märtyrer aufgehängt (Martyr. ed. St. E. Assemani I, 95, vgl. 93)« Tab. 4, Anm.) der Anāhēd in Istaxr Tab. 4, np. Nāhēδ ‘der Planet Venus’.

6. Անդիկան Andikan pers. General FB. 137 = Andkan 146; Andekan pers. Marzpan von Armenien (unter dem König Vałarš = pers. Balāš a. 485—488) Laz. p. 542—545

= pers. Andiyān, gr. Ἀνδιγάν Tab. 286, also phl. *Andīkān. Vgl. P. St. 243.

7. Անոյշ Anoiš: erste Frau des Ašdahak MX. 57 (dat. Anušay 58); häufiger in Komposita: Aršanoiš eine Arsacidin, Frau des Kamsarakan Spandarat, Mutter des Gazavon MX. 239; Sahakanoiš, Tochter des grossen Sahak, Frau des Mamikoniers Hamazasp MX. 242; Smbatanoiš, Tochter des Bagratuniers Smbat, Schwester der Smbaturhi MX. 115; Vardanoiš Frau des Mamikoniers Manuēl FB. 251 (dessen Tochter Vardanduxt hiess FB. 256); Xosrovanoiš Frau des Königs Ašot des Barmherzigen, Vardan 90. — Dazu wohl auch Anuš Tochter der J̌ailamar, aus dem Geschlechte des Ašdahak, Frau des Sahak, 19Sohnes des Vač̣ē Thom. 54; Anuš-Vṙam, Frau des Ašušay, des Bdeašx von Georgien, Schwester der Jvik (Dzvik) Laz. 335, 572 ; Hranuš artsrunische Fürstin Thom. 139, vgl. Hranoiš eine (andere) Frau Arist. 101.


vgl. pers. Doxtnōš Tochter des Narsē = Nōša bei Fird. (Tab. 36) ; Gōšaqanōš Mutter des Pīrgušnasp, Hoffmann 25—26; Rādanōš [recte: Rāδanōš] Mutter des Šahrēn, Hoffmann 68. — Davon zu trennen der Mannesname Farrahanōš Hoffmann 72.

8. Անուշնբերդ Anušnberd11) Das hier und im Folg. hinter anuš und berd erscheinende n ist der Artikel.) ‘das Schloss der Vergessenheit’ (τὸ τῆς λῆθης φρούριον Procop): Šapuh liess den König Aršak nach Andməšn bringen, das sie Anuš berd-n nennen FB. 168, das Schloss E̥ndməšn, das sie Anyuš-n nennen FB. 169, vgl. Andməšn berd in Xužastan 202; Andməšn berd-n, d. i. das, welches sie Anyuš-n berd-n nennen 205; »denn seit der Zeit, dass das Perserreich errichtet und dieses Schloss Anyuš berd genannt ist, ist Niemand gewesen, der gewagt hätte, die Könige an die zu erinnern, die die Könige in dieses Schloss gesetzt hatten22) ἢν γάρ τις ἐνταῦθα ἐμβληθεὶς τύχῃ, οὐκ ἔτι νόμος σφίσι μνήμην αὐτοῦ εἶναι, ἀλλὰ θάνατος τῷ ὠνομακότι ἡ ζημία ἐστί Procop, Pers. I, 5.), durch eine Erinnerung an den Mann, den sie in dieses Schloss gesetzt hatten« 207; Anuš berd-n ebenda: das Anuš genannte Schloss MX. 222, 241, 249 = arm. anyišeli amroc̣ ‘das nicht zu erinnernde Castell’ 249, z. 8; vgl. Joh. Kath. 30 (Anuš-n koč̣ec̣eal33) koč̣ec̣eal = ‘genannt’.) berd), 32 (Anuš-n berd), Thom. 62 (Anuš koč̣ec̣eal berd-n), Vardan 48 (Anuš koč̣ec̣eal dłeak), Steph. Orb. I, 69 (Anuš-n berd),

aus an ‘nicht’ + us ‘Gedächtniss, Erinnerung’ (s. unten) = zd. uši, also arm. anuš = zd. *anuši ‘Nicht-Erinnerung = Vergessenheit’. Der eigentliche Name dieses Schlosses oder Castells war nach den angeführten Stellen des Faustus Andməšn (für Andmišn oder Andimišn), das ich mit Andimišk, dem alten Namen der Stadt Dizfūl (= pers. diz-pul ‘Schloss-brücke’) in Xūzistān (Barb. 831) identifiziren möchte. Nach Theophylact III, 5 freilich wäre es = Γιλίγερδα44) Ἐν χώρᾳ ἑπιλεγομένῃ Βιζακοῦ, οὐ πόρρω Βενδοσαβείρων τῃς πόλεως. πρόσεστι δὲ τούτῳ καί τις εἱρκτή. Λήθην δὲ ὁνομαζουσι ταύτην οἱ βάρβαροι. ), jetzt Gilgird, etwa zehn deutsche Meilen östlich von Šūšter im Gebirge (Tab. 144).

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9. Անուշըռւան Խոսրով Anušərvan Xosrov Sb. 26, 30 ‘Chosru Nushirvan’

= zd. anaošō + urvānem (im Acc.) von anaoša- ‘unsterblich’ und urvan- ‘Seele’, phl. anōšak-ruvān PPGl. 65, Gl. and Ind. 59, West, PT. II, 3 = ‘von unsterblicher Seele, selig’, pāz. anōš-ruān Geiger, Aogemad. 23, § 10, np. Anōšarvān (nach alter Ueberlieferung), bei Fird. Nōširəvān (des Metrums wegen) Tab. 136. Dazu pāz. anōš-ruānī ‘immortality of the soul’ Shk. 230. — Vgl. die Namen Anōšazāδ Sohn des Anōšarvān, phl. anōšakzāt, bei Fird. Nōšzāδ BB IV, 52, Tab. 263, 467 und Anōšagān Tab. 136. von phl. anōšak ‘unsterblich, unvergänglich’.

Ašdahak s. unter Biusrap.

10. Աշխէն Ašxēn Frau des Königs Trdat von Armenien Ag. 575 flg., Tochter des Աշխադար Ašxadar11) Ein anderer Ašxadar (aus der Familie Dimakʿsean) MX. 234. Zu scheiden von Apʿšadar Vater des Lerubna MX. 114.) MX. 165

= zd. axšaena- ‘braun’, phl. xašēn, np. xašīn ZDMG. 38, 428 oder = zd. xšōiθni (fem. zu xšaeta- ‘glänzend’ oder ‘herrschend’), das im Phl. über *xšēhn zu *xšēn geworden wäre (P. St. 208). — Vgl. osset äxsīn ‘Herrin’ (meine Osset. Etym. p. 38).

11. Աշտատ Aštat Vater des Yəzatvšnasp (ein Perser unter König Peroz) Laz. 326; Aštat Yeztayar pers. Heerführer unter Xosrov II. Sb. 76, derselbe: Ašdat Steph. Asol 116

= zd. arštāt-, phl. aštāt ein weiblicher Genius Gl. and Ind. p. 28; np. (parsisch) aštāδ der 26. Tag des Monats.

Vgl. Xordād = zd. haurvatāt- in dem N. pr. Xordāδbih (Nöld. Stud. I, p. 12).

12. Ապար աշխարհ Apar-ašxarh persische Landschaft mit der Hauptstadt (šahastan) Նիւշապուհ Niv-šapuh (in Parthien), neben Vrkan ‘Hyrkanien’ genannt El. 10, 110, 112, 142, Laz. 257, 264 etc., Thom. 79, Vardan 54 = Apršahr Sb. 23, 65, MGg. 614

= pers. Abaršahr Nöld. Alexanderroman 15, Tab. 17, Barb. 7, syr. אברשׁהר i. J. 430 ZDMG. 43, 407, phl. Aparšaθru 21 (sprich Aparšahr) ZDMG. 33, 102, 134 = ‘Oberland’ mit der Stadt Nēšāpūr11) Vgl. Nēv-xosrau Tab. 387, Nēhormizd Nöld. syr. Chron. 29, Hoffmann p. 64. Nēv- = np. nēv ‘wacker’, ap. naiba- ‘schön’, dazu np. nēk ‘gut, schön’ = phl. nēvak PPGl 162, Gl. and Ind. 252.) = phl. Nēv-š(ā)hpur d. h. ‘Gut-Šāpūr’, arab. Naisābūr Tab. 7, 17, 59, West, PT. II, 325, Hoffmann p. 290.

Ueber die Form arm Apar ašxarh vgl. P. St. 235.

13. Ապզուտկաւատ Apzut-kavat die lange Mauer im Kaukasus MGg. ed. Soukry p. 27,

phl. afzūt + Kavāt

Vgl. phl. afzūt xvatāi ZDMG. 18, 17, Kava(ā)t afzūni ZDMG. 34, 114 fl., afzūt Xosr(o)vi22) Vgl. arm. Yizut-Xosrov = Yezut-Xosrov Sohn des Varaz-Grigor, Mos. Kal. I, 288, 310.) etc. ebenda p.128.

Ueber die Bauten des Königs Kavāδ s. Tab. 138.

14. Ապրուէզ Խոսրովեան Aprvēz Xosrovean Sb. 35 = Aprvēz Xosrov Sb. 82, 88, Xosrov genannt Aprvēz Thom. 89, Aprvēz Xosrov Step. Orb. 143,

pers. Xosrov Parvēz Tab. 275.

Np. parvēz soll ‘siegreich’ bedeuten (vgl. Tab. 275) und würde also zu pāz. awarvēž ‘triumphant’, awarvēžī ‘victory, triumph’ Shk. 233 gehören. Die ensprechende Pehleviform kann aparvēz oder aparvēǰ oder aparvēč gelesen werden: arm. Aprvēz weist auf aparvēz (P. St. 231). Daraus hätte im Neupersischen lautgesetzlich *barvēz werden sollen (P. St. p. 40 und 177).

15. Ապրսամ Aprsam ein Išxan der Artsrunier Laz. 222, 256, El. 77, 150, ein Spandunier MX. 251

= pers. Abarsām Tab. 9.

Bei MX. 90 ist aprsam nicht N. pr. sondern = ‘Balsam’, s. unter aprsam.

16. Ասպահան Aspahan (District) Sb. 66 neben Spahan (Landschaft) Sb. 56, 58, Aspahan MX. 223, Aspahan Landschaft in Persien (Parskʿ) MGg. 613, Aspahan Thom. 63, Vardan 15, 95, 118, Steph. Orb. II, 93, Spahan Kir. 89, 123

= gr. Ἀσπάδανα Ptol., syr. אספהן i. J. 430 ZDMG. 43, 407, phl. Spāhān Shk. 267, Bdh. Gl. 173, West, PT. I, 41, 22Spahān BB. 4, 36, Spiegel, trad. Lit. 459, auf Nünzen abgekürzt As- ZDMG. 31, 148; 33, 115, np. Sipāhān (Fird. I, 258, 267), Ispāhān, Ispahān, Sifāhān Süiegel, Chrest. p.95—105. Davon arm. aspahanik ‘ispahanisch’ (sc. carir ‘Antimon’) Mech. d. Arzt.

Np. Ispāhān = gr. Ἀσπάδανα kann nicht auf ap. *aspadāna- ‘Pferde-behälter’ zurückgeführt werden, das nach den Lautgesetzen zu *aspədān geworden wäre. Als ap. Form kann nur *aspādān- oder *spādān- angesetzt werden. Ich setze es mit Justi, Btrg. zur alten Geogr. II, 11 = ap. gen. pl. spādānām ‘der Heere’. Vgl. P. St.- p. 134. 174, 199.

17. Ասորեստան Asorestan Ἀσσυρία (im engern Sinne11) Vgl. Kiepert, Alte Geogr. p. 149.) FB. 133, El. 142, 145, 146, MX. u.s.w.,

vgl. phl. Sūrastān Bdh. p. 51, z. 12, np. Sūristān Tab. 15.

Zu unterscheiden von Asori-kʿ ‘Syrien’ MGg. 611. — Asorestan ist nicht direct aus dem Persischen entlehnt sondern eine armenische Komposition aus zwei fremden Bestandtheilen, aus Asori- = Ἀσσύριος und dem pers. -stān, also aus *asori-a-stan (ia = arm. ea, in nicht-letzter Silbe = e) entstanden.

18. Ասպահապետ Aspahapet MX. 149

ist das in altsasassanidischer Zeit entlehnte mp. spāhpat ‘Heerführer’ = np. sipahbad (Fird. I, 263, 344 u.s.w.), ispahbaδ, ispahbuδ, gr. Ἀσπεβέδης Procop, Pers. I, 10, arab. asbahbuδ Titel der Herrscher von Tabaristan Barb. 31, das in arsacidischer Zeit schon als sparapet, asparapet = ap. *spāda-pati entlehnt worden war (siehe unter sparapet).

Als Appellativ dient im Armenischen nur sparapet 'Heerführer’ (s. unten), während Aspahapet nur als Name einer der vornehmsten parthischen Familien bei MX. vorkommt, p. 102 und 148: »Der König Aršavir hatte drei Söhne und eine Tochter, der erste war der eben genannte Artašes, der zweite Karēn, der dritte Surēn, und ihre Schwester mit Namen Košm war die Frau des Heerführers (zauravar) aller Arier, von ihrem Vater eingesetzt«; 103 und 149; »er theilt sie ausser der regierenden 23Linie in drei Linien ein mit dieser Benennung: Karen Pahlav, Suren Pahlav und für die der Schwester Aspahapet Pahlav, indem er den Namen nach ihrem Manne als Oberhaupt der Familie (tanutēr) bestimmt« (daher die Stelle bei Joh. Kath. p. 21).

19. Ատր Atr ‘Feuer’ (aus *Atur) in:

Ատրորմիզդ Atrormizd pers. Marzpan El. 100, Laz. 215—221 = phl. Ātur-Ohrmazd Horn. Sieg. 29, 32, ZDMG. 44, 672, syr. Āδurhorm(i)zd Hoffmann p. 65, 289, ZDMG. 43, 414;

Ատրվշնասպ Atrvšnasp itapean Perser Laz. 390, (Tapean) 396 (vgl. phl. Yazt i Ītap = Yazd, Sohn des Ītap(?) ZDMG. 46, 281 nach Justi), Atrvšnasp Yozmandean pers. Marzpan Laz. 359, 360 etc. = phl. Ātur-gušnasp ZDMG. 44, 655 (Yōzmand ZDMG. 46, 281), pers. Āδar-gušnasp Tab. 388, Hoffmann 251, 282, vgl. Gušnaspāδar Tab. 96, np. āδargušasp Fird. I, 451 u.s.w.;

Ատրներսեհ Atrnerseh Perser, Oberst der Garde (p͑ušti- panac̣ sałar) Laz. 390; Atrnerseh Išxan von Albanien Thom. 191, Išxan von Georgien Thom. 237, Atrnerseh Išxan, dann König von Georgien Joh. Kath. 71, 101, 102, 108 (ums Jahr 900), Steph. Asol. 150, Steph. Orb. 1, 220 = pers. Āδar-narsē Sohn des Königs Hormizd Tab. 51.

Pehlevi-Namen mit ātur ‘Feuer’ im ersten oder zweiten Gliede sind häufig, vgl. Horn, Sieg. 28, 29, 31, 32 etc., ZDMG. 44, 654 flg. Aeltere Namen sind pers. Ἀτροπάτης und zd. ātarəxvarənah-, ātarəčiθra-, ātarəzantu-, ātarədaḥyu- = ātarədańhu, ātarədāta-, (Ἀτραδάτης = phl. Āturdāt Horn Sieg. 32), ātarəpāta- (Ἀτροπάτης = pers. Āδarbād Tab. 67), ātarəvanu-, ātarəsavah- yt. 13, 102.

20. Ատրպատական Atrpatakan ašxarh ‘das Land Atropatene’ El. 53, 56, ohne ašxarh 60, Laz. 367, 369, 487, Ag. 159, FB. 13, 16, 50 u. s. w., MX. 19, 72 u. s. w., MGg. 606, 608, 613 wie auch bei den späteren Historikern

= phl.āturpātakān11) Darauf geht auch die armenische Form lautgesetzlich zurück.) West, PT. I, 120, np. āδarbāδgān JRAS. 1894, 440, āδarbāigān, bei Procop (Lag. Abh. 179) schon das moderne τὸ Ἀδαρβιγάνων, syr. אתרפתכן (Anfang des 3. Jhd.), später אדורביגן(5. Jhd. ZDMG. 43, 409, Hoffmann 64, 24Nöldeke Alexanderroman 15, syr. Chronik. 7), אדרביגן, arab. āδarbaiǰān Barb. 14,

abgeleitet durch das Suffix akan (= phl. akān, np. agān, gān) von atrpat = zd. ātarəpāta- ‘Feuer-beschützt’, gr. Ἀτροπάτης, phl. āturpāt Gl. and Ind. p. 7, ZDMG. 44, 672, pāz. āδarpāδ Shk. 226, np. āδarbā, also = ‘das Āturpatische’, sc. Medien, vgl. Strabo XI, 13: τοὔνομα δ᾽ ἔσχεν (ἡ Ἀτροπάτιος Μηδία) ἀπὸ τοῦ ἡγεμόνος Ἀτροπάτου11) Im Jahre 328 von Alexander nach Medien geschickt.), ὃς ἐκώλυσεν ὑπὸ τοῖς Μακεδόσι γίνεσθαι καὶ ταύτην, μέρος οὖσαν μεγάλης Μηδίας. Vgl. Nöldeke, BB IV, 50, Anm. 3; A. v. G. 20; Kiepert, Alte Geogr. p.71.

Neben der am häufigsten und besten bezeugten Form Atrpatakan findet sich Atrpayakan einmal bei Laz. 502 (Bazē Atrpayakan šahap?) und mehrmals bei FB. (5. Jhd.): Atrpayakan 177, z. 17; 189, z. 12; 208, z. 3 v. u., Atrpayakan (ašxarh) 160, z. 2, (tun) 200, 17—18; (kois) 248. Wenn dies nicht einfach in Atrpatakan zu ändern ist, so müsste es der Vorläufer der oben angeführten griechischen, syrischen und arabischen Formen mit Jota sein, wie Andreas (Pauly-Wissowa’s Realencycl. s. v. Adarbigana) annimmt. Doch scheint mir bedenklich, das in diesem Worte t zu y geworden und gleichzeitig t (wie p und k) geblieben sein soll. Man müsste vielmehr *Adrbayagan erwarten, da in der Zeit des Faustus von Byzanz und des Laz. Pharp. nach Ausweis der gleichzeitigen syrischen Form (Āδurbāigān) im Persischen Āδurbāigān gesprochen wurde (P. St. p. 180, 191, 193, 239, 273). Doch vgl. Ἀτραποϊκὰ (ὄρη) bei Theophyl. IV, 10. — Auffällig ist auch die Form Atrpatčac̣ (gen. pl.) FB. 189, 208, das einen nom. sg. Atrpatič ‘Atropatener, atropatenisch’ voraussetzt, neben dem an beiden Stellen Atrpayakan ‘Atropatene’ steht.

21. Արամազդ Aramazd ein Gott: der grosse und tapfere22) ari = ‘tapfer, vortrefflich’, im gr. Ag. ἐνάρετος ‘vortrefflich’ p. 14, 78, ἀνδρειότατος 17, 72; 30, 58.), Vater der Anahit Ag. 52, Schöpfer Himmels und der Erde Ag. 61, 106; der Tempel des Gottes Aramazd (in Ani), der der Vater aller Götter genannt wird33) Aber im gr. Ag. 67, 83: τὸν βωμὸν Κρόνου, τοῦ πατρὸς Διὸς παντοδαίμονος.) Ag. 590; der Tempel der 25 Nanē,der Tochter des Aramazd im Flecken Thiln11) Thiln bei Ag., FB. und MX. mit und ohne n. Inǰiǰean setzt Thil an.) Ag. 591; der Tempel des Mirh (Mithra), der der Sohn des Aramazd genannt wird, in dem Dorfe, das nach der Sparache der Parther Bagayaṙič genannt wird22) Bei MX. 88: Bagayaṙinǰ) 593; ‘es giebt keinen Aramazd, aber für die, welche wollen, dass Aramazd sei, (giebt es) noch vier andere Aramazd genannte, von denen einer ein gewisser Kund Aramazd ist’ MX. 59; Oberpriester des Gottes Aramazd in Ani MX. 132; sie zerstörte das Bild des Gewittergottes Aramazd (in Georgien) MX. 170; Julianos, Sohn des Aramazd MX. 200; Aramazd Pseud. 5, 12, 27 u.s.w. = Ζεύς; ich schwöre bei dem grossen Gott Aramazd, bei der Sonne, der Herrin (tēr) und beim Monde, beim Feuer und Wasser, bei Mihr (Mithra) und allen Göttern (schreibt der Perser Bahram Čōbīn an Mušeł) Sb. 37; der Geehrte der Götter, Herr und König der ganzen erde, Spross des grossen Aramazd, Xosrov, an Heraklius, unsern thörichten und unnützen Diener (schreibt der Perserkönig Xosrov II. an den Kaiser Heraclius) Sb. 90,

= ahurō mazdā̊, ap. a(h)uramazdā, phl. inschr. Ohrmazd (geschrieben Auhrmzdī, Haug, Essay on Pahl. 74 u.s.w.), sassanid. Hormizd, s. unter Ormizd.

22. Արիք և Անարիք Arikʿ ev Anarikʿ (gen. Areac̣ ev Anareac̣) ‘Arier und Nicht-arier’ MX. 212 (im Brief des Perserkönigs Šapuh); (meiner) arischen und nicht-arischen Dieneṙ (sagt der Perserkönig) Laz. 251; an alle Völker meiner Herrschaft, der Arier und Nicht-arier (schreibt der Perserkönig Yazkert) El. 9, z. 5 v. u.; Mihrnerseh der grosse Hazarapet der Arier und Nicht-arier El. 22, z. 1 v. u.; Hazarapet der Arier und Dprapet (Kanzler) der Arier Laz. 187; giebt es nicht viele Secten im Lande der Arier? (sagt der Perserkönig) El. 63; das Land der Arier (= das persische Reich) Laz. 118, 119, 120, 139; die Grossen der Arier (= Perser) Laz. 121; der Heerführer aller Arier MX. 102; das Reich der Arier FB. 207, z. 16, 21 = das Reich der Perser (Parsic̣) ebenda z. 7 (in der Rede des Perserkönigs); gund Areac̣ ‘das Herr der Arier’ FB. 251; Yoinkʿ ev Arikʿ ‘Griechen und Arier’ (und alle Völker der Heiden) Eznik 122, azgn ariakan ‘das arische Volk’ Eznik 123, 26

= ap. Ariya- ‘Arier’ (NR. a14: perser, Sohn eines Persers, Arier, von arischem Stamme), zd. airya- ‘arisch, Arier’, anairya- ‘nicht-arisch’, phl. ēr u amēr ‘indigenous and foreign’ West, PT. 4, 51.

An allen hier angeführten Stellen ist ‘Arier’ gleichbedeutend mit ‘Iranier’, ‘Nicht-arier’ mit ‘Nicht-iranier’. Die Armenier haben das Wort ari- in sehr alter Zeit entlehnt, als die Perser noch ariya- sprachen und haben es bis in die späte Sassanidenzeit beibehalten, als im Persischen selbst längst der ap. gen. pl. ariyānām (= Ἀριανῶν) über phl. aryān, airān (Haug, Essay on Pahlavi p. 46 und 47) zu Ērān geworden war, so dass noch Laz. 187 dprpet Areac̣ für das pers. Ērān *dibīr-baδ (= phl. Airān dipīrpat) ‘Kanzler von Ērān = Reichskanzler’ sagt (IdgF. IV, 120). Die zur Sassanidenzeit wirklich gesprochenen Formen Ērān und Amērān finden sich nur einmal bei Ełišē, s. unten s. v. Ērān. Bei MGg. 614 steht Arikʿ = Xorasan als Gesammtname der nordöstlichen Provinzen des Perserreiches von Hyrkanien bis zur Grenze Indiens, vgl. gr. Ἀριανή.

Echt armenisch ist արի ari ‘tapfer, trefflich’ (ἀνδρεῖος), anari 1. ‘feig’, 2. ‘riesig, ungeheuer’ FB. 239, 3. v. u., Eznik 104 und gehört nach Wb. zu air ‘Mann’ (ἀνήρ).

23. Արհմն Arhmn Eznik 113 flg., El. 20, 25, Thom. 27, gen. Arhmeni Eznik 114, 124, abl. Arhmnē El. 20, Arhmnenay Eznik 145, mit den Nebenformen Haraman, Xaraman, Haramani, Xaramani El. 20, 9; 21, 12; 35, 22, Eznik 114, 235, Thom. 27, Name des bösen Gottes der Perser

= np. Āharman, Ahrīman (Fird.), Ahraman u.s.w., pāz. Āharman, Aharman, Āhrman u.s.w. Min. Gl. 29, Shk. 227, phl. Ahr(a)man Gl. and Ind. 3, syr. אהרמן Hoffmann p. 64, Nöldeke im Festgruss an Roth p. 36 (Ahraman), gr. Ἀρειμάνης, Ἀρειμάνιος, zd. aṅrō mainyuš, also ap. wohl *ahra-maniyuš.

Im Armenischen scheint Haramani die ältere (arsacidische), Arhmn die jüngere (sassanisdische) Form zu sein, vgl. Ormizd und Aramazd oben p. 13. — Eznik p. 144 erklärt den Namen Xaramani: »weil er die, welche die Sonne (= das Leben) begehren (lieben), von der Sonne (= dem Leben) scheidet«, denkt also an pers. xvar (xor) ‘Sonne’. — Xaramani ist bei Ephrem u.s.w. (s. Wb.) auch ein Beiwort von auj ‘die bösartige, giftige Schlange’27

= syr. חרמנא (Brockelmann p. 124). Durch den Einfluss dieses Wortes könnte Xaramani (für Haramani) zu seinem anlautenden x gekommen sein., A. St. Nr. 1254.

24. Արշակ Aršak Name von parthischen und armenischen Königen MX. 19 u.s.w.; König von Armenien 1) Sohn des Tiran FB. 65, Laz. 2, El. 7; 2) Sohn des Pap FB. 245, Laz. 20 (nur Königsname)

= ap. Aršaka, gr. Ἀρσάκις lat. Arsaces, arab. Ašak Tab. 26, vgl. syr. aršakāyā ‘königlich’.

Danach ist benannt die Königsfamilie der Parther und Armenier: Արշակունիք Aršakunik͑ El. 7, FB. 239, MX. 69–272 etc., gr. Ἀρσακίδαι, lat. Arsacidae, phl. Ašakānān Gl. and Ind. p. 29, syr. Ašagānāyē. — Dazu arm. Aršakavan = ‘Aršakstadt’ in Kogovit, von dem arm. König Aršak gegründet FB. 107, 110, 112; Atrormizd Aršakan pers. Marzpan von Armenien Laz. 215.

25. Արշամ Aršam Name eines Königs von Armenien bei MX. 97 flg. (vor Christi Geburt)

= ap. Armšāma- Grossvater des Darius, gr. Ἀρσάμης 1) Name mehrerer Perser zur Achaemenidenzeit, 2) ein König von Armenien Polyaen 4, 17.

Vgl. Ἀρσαμόσατα Stadt in Armenien Ptol. V, 13, 19, lat. Arsamosata Tac., Plin. (s. unter šat).

26. Արշաւիր Aršavir (gen. Arsavray) ein Kamsarakan, Išxan von Širak und Aršarunikʿ FB. 28, 44, 54, 71, Laz. 190, Aršarunier El. 58, 77 u.s.w., Kamsarakan El. 150,

:zd. aršan- + -vīra-?

27. Արուաստան Arvastan (»genannt Asorestan, d.h. Mucł,11) D. i. Mosul (späterer Zusatz).) im Osten von Mesopotamien neben Armenien mit Bergen und Flüssen und der Stadt Ninvē«) MGg. 613, vgl. FB. 136: die Stadt Ncbin (Nisibis) in Arvestan; p. 130: in das Land Arvac̣stan gegenüber der Stadt Mcbin; Sb. 33: ganz Arvastan bis zur Stadt Mcbin; Thom. 86: ganz Arevastan bis zur Stadt Mcvin

= phl. Arvāstān i Hrōm vd. 1, 77 = römisch Mesopotamien BB IV, 52, Justi, Btrg. z. alten Geogr. Pers. I, 16.28

28. Արտակ Artak (Rštunier, Moker, Palunier) EL 32, 33, 77 Laz. 134, 126, 185; (Išxan von Harkʿ). N. P. 25

= phl. Artak(ī) ZDMG. 18, p. 26, Horn, Sieg. 35, ZDMG. 46, 284, 288 (Koseform), syr. Ardaq im Jahr 430 ZDMG. 46, 412.

Vgl. den Familiennamen Artakuni bei Laz. 394: Pap Artakuneac̣.

29. Արտամատ Artamat setzt Thom. 54 ungenau für Artamet (Inǰiǰean, Alterth. p. 187) = Ἀρτέμιτα Ptol. V. 13, 20, arm. Stadt südöstlich vom Vansee, um den Namen als Komp. von *Art- = Artašēš ‘Ardašir’ und pers. *mat ‘Ankunft’ (nach Marmēt = Mar amat ‘der Meder ist gekommen’ bei MX. 123) erklären zu können.

30. Արտաշատ Artašat (gen. Artašatu) feste Stadt in Armenien am Araxes FB. 18, 30, 171, 172, Ag. 40, 103, 166–168, 584, MX. 126 (von Artašēš gegründet), Laz. 367, 438, El. 22 (königliche Residenz)

= gr. Ἀρτάξατα (ἣν καὶ Ἀρταξιάσατα καλοῦσιν, Ἀννιβα κτίσαντος Ἀρταξίᾳ τῷ βασιλεῖ11) Um 180 v. Chr. Kiepert, alte Geogr. p. 81.) — πρὸς τῷ Ἀραξηνῷ πεδίῳ συνῳκισμένη καλῶς καὶ βασίλειον οὖσα τῆς χώρας Strabo 529, Ptol. V, 13, 12, im griech. Agathangelos 136 Ἀρταξάτ und Ἀρταξερξοκτίστη, lat. Artaxata Tac., Anm., arab. Ardašāṭ ZDMG. 33, 145. der Name lautete ursprünglich etwa *Artaxšas-šāt (= ap. Artaxšaθra + šiyāti) und bedeutet ‘Ardašir’s-Freude’.

31. Արտաշէս Artašēs (gen. Artašisi) bei MX. Name einiger parthischer und armenischer Könige; Artašēs, Sohn des Vṙamšapuh, König von Armenien (5. Jhd. p. Chr.) MX. 256, Laz. 52—69, Sohn des Stahrašapuh El. 7 (derselbe), Koriun 18, Steph. Orb. I, 98; Artašēs als Achämenide (Longimanus und Ochus) und Parther Vardan 27, 34; Artašēs Sohn des Mamikoniers Manuēl FB. 242, Sohn des Mamikoniers Hmayeak Laz. 335 — ist die armenische Form für persisch (sassanidisch) Artašīr, Ardašīr. Bei MX. erscheint bis p. 134 nur Artašēs (als Parther und Armenier), zum ersten Mal p. 134 Արտաշիր Artašir (als Sohn des Sasan); auch bei den anderen armen. Schriftstellern heissen die Sassaniden Ardašīr I—III stets29 Artašir (gen. Artašri): Laz. 1, 5, Ag. 29, SB. 98, Thom. 56, Joh. Kath. 23, 32, Mos. Kal. I, 90, Steph. Asol. 74, Kir. 30. Vardan 36 flg. Artašēs neben Artašir (sohn des Mamikoniers Manuēl) FB. 242, 256, (der letzte König von Armenien) MX. 256, Steph. Asol. 76. Ein Artašir im Heere des pers. Generals Muškan Nivsalavurt El. 92. Arm. Artašēs ist

= gr. Ἀρταξάρης KZ. 33, 214, Ἀρταξήρ, Ἀρτασήρ (Georg. Pis.), Ἀδεσήρ (bei den Chronographen für Ardašīr III), Ἀρτασείρης, Ἀρτασίρης (Procop) BB IV, 35; Ἀρτάξας, Ἀρτάξης (Plut. D. Cass) König von Armenien 30 v. Chr. (A. v. G. p. 102), Ἀρταξίας (Polyb., D. Sic., Strabo) König von Armeneien 189 v. Chr. (A. v. G. p. 40); älteste Form Ἀρταξέρξης, Ἀρτοξέρξης (Herod., Thucyd. etc.) Name meherer Achämenidenkönige; lat. Artaxias König von Armenien (Tac.), Artaxerxes Achämenide; syr. Ardašīr belegt i. J. 410 und 430 ZDMG. 43, p. 410 und 413 neben Artašīr BB IV, 35, Arṭašahr belegt i. J. 430 ZDMG. 43, p. 396, z. 14. Ardaxšīragān belegt im 7. Jhd. Nöld., syr. Chron. 42; sassanid. pers. Ardašīr, Artašīr und Artaxšīr BB IV, 35, Mātīkān i čatrang p. 3, z. 10; phl. (Inschriften und Gemmen) Artaxšatr (Haug, Essay on Pahlavi p. 4 = Ἀρταξάρης p. 46, 47; ZDMG. 44, 651) mit historischer Schreibubg; hebr. Artaxšaštā, Artaxšastā Esra 4, 7 u. s. w.; altp. Artaxšaθrā. — Altp. θr ist im späteren Persisch theils zu s theils zu hr oder r geworden (P. St. 204), so entstand aus Artaxšaθrā theils Artaxšas (Ἀρταξέσσης KZ. 33, 218—219, Ἀρταξίας) theils Artaxšahr, Artaxšār, dann mit unregelmässigem Uebergang von a, ā in ē, ī: Artaxšēs (Ἀρτάξης), Artaxšīr. Die Form Artašēs ist schon in arsacidischer, die Form Artašīr erst in sassanidischer Zeit nach Armenien gekommen (P. St. 234).

Davon Artašēsean ein Flecken Thom. 215, ein District von Vaspurakan MGg. 609, Thom. 252

32. Արտաւազդ Artavazd König von Armenien, MX. 95: Artavazd Sohn des Tigran. 128: Sohn des Artašēs; 139: alte Frauen erzaählen von ihm, dass er eingeschlossen lebt in einer Höhle, mit ehernen Ketten gefesselt: zwei Hunde nagen immer an den Ketten und er bemüht sich zu entkommen und der Welt ein Ende zu bereiten. Aber durch den Ton des Hammerschlages der Schmiede werden, wie sie sagen, die 30Fesseln stark. Deshalb schlagen auch noch in unserer Zeit viele Schmiede, der Fabel folgend, am Sonntage drei oder vier Mal auf den Ambos, damit, wie sie sagen, die Ketten fest werden. — Ihn sollen Frauen der Nachkommen Ašdahak’s verhext haben. — Drachabkömmlinge stahlen den jungen Artavazd und legten einen Dev an seine Stelle. — Eznik 105: die Devs hätten einen gewissen Artavazd mit Namen eingeschlossen, der noch jetzt am Leben sei und hervorgehen wird und die Welt einnehmen. — Artavazd Mamikonier FB. 9, 28, 252, N. P. 123, Ag. 641, Laz. 256, El. 150, Levond 169, Thom 60; Apahunier Sb 65; Dimaksier Sb. 149, Artavazd Šałatnec̣i Steph. Orb. I, 219

= gr. Ἀρτανουάσδης Strab., Plut., lat. Artavasdes Cic., Tac., Artoasdes Justin, Name einiger Könige von Armenien und Medien (1. Jhd. vir Chr., A. v. G. 80, 88, 98, 99, 100, 101, 102). zd. ašvazadah- N. pr., also ap. *Artavuzdah-.

33. Արտաւան Artavan (Var. Artevan) der letzte Partherkönig, Sohn des Vałarš, von Artašir, Sohn des Sasan aus Stahr. getödtet Ag. 29, 31, MX. 147, FB. 167 (Artevan), Laz. 1, 5, Thom. 56, Loh. Kath. 23, Mos. Kal. I, 90, Vardan 36 (derselbe Artavan!), Artavan Išxan von Vanand FB. 38

= gr. Ἀρτάβανος Bruder des Darius I. (Her., Plut.); Mörder des Xerxes im Jahre 464 (Nöld. Aufs. 49); Name von 5 Partherkönigen, deren letzter, Sohn des Volagases IV., i, Jahre 224 p. Chr. (Nöld. Aufs. 89; nach A. v. G. 162 im Jahre 227) von Ardašīr, dem ersten Sassaniden besiegt und getödtet wurde; Ἀρταβάνης Bruder des Armeniers Ἰωάννης Procop Vand. II, 25, Sohn des Arsaciden Ἰωάννης Pers. II, 3; lat. Artabanus (Tac.); Talm. Jerus.: ארטבן, arab. np. Ardavān BB IV, 36, also ap. Artabānu-.

Dazu Artavanean ein District von Vaspurakan MGg. 609.

Als Koseformen der mit Arta- beginnenden Namen (wie Artašēs, Artavazd, Artavan, gr. Ἀρταπάτης, Ἀρταφέρνης u. s. w.) können gelten: Artak s. oben Nr. 28, Artēn Išxan von Gabełeankʿ El. 77, Laz. 216, Artašēn11) Von Artaš-ēs gebildet wie ap. Βαγαπαῖος nach Βαγαπάτης nach Nöld. Stud. I, 29.) (nur gen. Artašinay) ein 31Mamikonier, Vater des Manuēl FB. 239. Vgl. Ἀρταῖος Nöld. Stud. I, 30.

34. Բագրատ Bagrat Bagratunier FB. 17, Bagarat der grosse Išxan der Asparapet-schaft FB. 71, Bagarat Aspet MX. 165 flg., 225 (Bagratunier), Bagarat Aspet Mos. Kal. 116 (aus MX. 191), Bagarat Isxan von Taraun (zur Araberzeit) Thom. 116—118, Bagarat König der Aphxazen Arist. 4

= altp. *bagarāta ‘gottgeschenkt’, vgl. ap. baga- * ‘Gott’ und skr. rāta- ‘verliehen, gegeben’. Oder aus *bagadāta (P. St. 201)?

Andere arm. Namen, die mit bag- ‘Gott’ zusammengesetzt sind, s. unter bag-.

35. Բազէ Bazē Perser, Šahap (ἐθνάρχης) von Atropatene Laz. 502, vgl. arm. bazē ‘Falke’ = np. bāz?

36. Բակ Bak Armenier El. 95 gehört schwerlich zu pers. Bākōi Nöld. Stud. I, 15 (= np. pāk?).

37. Բաիխ Bałx Stadt des Königs der Kʿušan-kʿ FB. 205, Bałh FB. 239, Bahl MK. 148, 152, 154, Bahl šahastan (‘Hauptstadt’) der Kʿušankʿ Sb. 67 und 30; Baxl Thom. 85, Baxł 88; Bahl šahastan Vardan 29

= ap. Bāxtriš zd. Bāxδi, gr. Βάκτρα, phl. Bāxr vd. 1, 22, im Bdh. Balx11) Vgl. np. talx aus phl. tāxr P. St. 266.), syr. בהל Nöldeke, Alexanderroman 14, 15, älter Baxtrāyāθā ‘Baktrerinnen’, pers. arab. Balx Tab. 17, 167, Barb. 112, arab. baxtariyyun ‘baktrisches Kameel’ P. St. 194.

Dazu Baklibamik22) Lies Bahl i bamik = phl. Balx i bāmīk = np. Balx i bāmī P. St. 24 Anm. Vgl. phl. Bāmikān (wo der Balxfluss entspringt) Bdh. Gl. 86, West, PT. I, 80 = np. Bāmiyān Barb. 80.) ein Land von Xorasan MGg. ed. Soukry 40; »das Land der Parther nennen die Perser jetzt wegen der Stadt Bahl: Bahli-Bamikkʿ d.h. Bahl aṙavôtin« 33) Ueberall aṙavautin zu lesen.) ‘das morgentliche Bahl’ MGg. ed. Soukry 41; nach dem Tode Alexanders herrscht über die Parther der tapfere Aršak in der Stadt, welche genannt wird Bahł aṙavatin3 im Lande der Kʿušankʿ MX. 70, ebenso (Bahl aṙavatin3) Steph. Asol. 36 und (Balx aṙavautin) Mech. von Ani ed. Patk. p. 20.32

38. Բամբիշն Bambišn Frau des Athanagenēs, Schwester des Königs Tiran von Armenien FB. 43, 48, 68

= nom. appell. bambišn ‘Königin’ (s. unten).

Bandakan s. unter Šahrapan.

39. Բատ Bat Nahapet des Geschlechts der Sahaṙunier FB 235—238

= phl. Bāt(ī) ZDMG. 31, 588, Nr. 10, 11, wo Βάτις (Arrian) und Betis (Curtius), Vertheidiger Gaza’s gegen Alexander, verglichen wird; anders Horn, Sieg. 26.

40. [Բարզափրան Barzapʿran Ṙǝštunier, Sparapet der Armenier und Perser MX. 92—94, 97, 223 ist nicht aus dem Persischen, sondern aus Joseph. arch. 14, 13, 3, bell. iud. 1, 13, 1: Βαρζαφράνης = ap. *Brzifarnāh- genommen.]

41. Բիւսրասպ Աժդահակ Biurasp Aždahak »der persischen Fabeln« MX. 62: »das Küssen der Schultern und in Folge dessen die Geburt der Schlangen und danach die Zunahme der Schlechtigkeit, das Aufzehren der Menschen für die Bedürfnisse des Bauches. Dann aber, dass ein gewisser Hruden ihn mit ehernen Banden fesselte und auf einen Berg führte, der Dəmbavənd genannt wird, dass Hruden unterwegs einschlief und Biurasp ihn zu dem Hügel schleppte, Hruden aber erwachte und ihn in eine Höhle des Berges fuhrte und band und sich selbst (wie) eine Statue ihm gegenüber aufstellte, dass dieser aber, dadurch erschreckt, sich seinen Ketten fügt und nicht vermag herauszugehn und die Erde zu vernichten«

= zd. baevarə+aspa- ‘mit zehntausend Pferden’, phl. pāz. Bēvarāsp Beiname des Ažidahāk Min. cap. 27, § 34, np. Bēvarasp Beiname des Ḍaḥḥāk, so genannt, »weil er zehntausend arabische Rosse mit goldnem Gebiss besass« Fird. 1, 28, 97. — Aždahak = zd. aži dahāka (nom. ažiš dahākō) ‘der Drache Dahāka’ mit drei Rachen yt. 19, 46 flg. = pāz. ažidahāk, np. aždahā ‘Drache’, arabisirt Ḍaḥḥāk11) Bei Fird. I, 40 genannt: aždahāfaš ‘der Drachenähnliche’.), König von Iran Fird. I, 28 flg. Vgl. MX. 58: Aždahak ist in unserer Sprache = višap (d. h. ‘Drache’). — Հրուդեն Hruden = zd. θraẹtaona- »welcher erschlug den Drachen Dahāka, den mit drei Rachen, drei Schädeln, 33 mit sechs Augen und tausend Sinnen, den überstarken, einen teuflischen Unhold, welchen — der böse Geist geschaffen hatte zum Schaden der irdischen Wesen, um das Volk der Gerechten zu verderben« (Geldner) ys. 9, 8, phl. Frētūn Bdh. Gl. 197, PPGl. 117, pāz. Frēdūn »der den Ažidahāk Bēvarāsp schlug und band« Min. cap. 27, § 39, np. Farēdūn Fird. I, 40, der bei Firdusi den Ḍaḥḥāk schlägt und bindet und in einer Höhle des Berges Demavend anschmiedet (Fird. I, 61). — Den Berg Dəmbavənd s. besonders (Nr. 58). Dazu Bdh. 24, 12 : »der Berg D(e)māv(e)nd ist der, an welchen Bēvarāsp gefesselt ist«. Zur Sage vgl. Barb. p. 225 und 237. — Neben Aždahak steht bei MX. 50—58: Ašdahak als Name des Königs der Meder, Ἀστυάγης aber Aždahak MX. 47 = Euseb. Chron. I, 101.

42. Բիւրատ Biurat Bagratunier MX. 114, 142, Steph. Asol, 103, Vardan 76, 79, 82

schwerlich = Bēvard Fird. II, 919, z. 6.

43. Բոյեկան Boyekan pers. General FB. 152,

Patronym. von pers. *Bōi = gr. Βόης Procop Pers. I, 12, arab. Būye syr. באוי Nöld. Stud. I, 28—29.

44. Բորն Born und Bborn (falsch für Boran) Tochter Xosrov’s, Frau des Xoṙeam, Königin von Persien Sb. 99, Thom. 97, Joh. Kath. 44, Kir. 30, 31, Vardan 62

= pers. Bōrān (auch Bōrānduxt) Tab. 390.

45. Բուտմահ Butmah pers. Statthalter von Armenien Sb. 34, 70,

vgl. phl. Māhbūt (Martbūt der Mager, Sohn des Māhbūt) Horn, Sieg. 25, § 4, später Māhbōδ, Μεβώδης, Μεβόδης Tab. 260, mit umgekehrter Stellung der Glieder.

46. Բուրդար Burdar ein Perser MX. 160, Zenob 21, 22 = Bundar Vardan 36 (für Burdar),

vgl. phl. burtār Gl. and Ind. 83, pāz. burdār ‘carrier, sustainer, bringer’ Shk. 238, nom. act. von burdan.

47. Գանձակ Ganjak (Hauptstadt) von Atrpatakan, an der persischen Grenze, wo die Markgrafen (sahmanapah ‘Grenzhüter’) des armenischen Königs sassen FB. 137, 198, 235; Ganjak, welches die Grenze war zwischen Persien und Armenien FB. 203 ; bis zur Stadt Ganjak und dem grossen Feuer, 34das in der Provinz Atrpatakan war Sb. 24 ; sich nach Ganjak wendend zerstört er (Heraclius) den Tempel des grossen Feuers, das sie Všnasp11) Vgl. Tab. 100.) nannten Sb. 92, vgl. Thom. 92; sie zogen durch das Land der Hunnen und durch das Thor von Čor (pahakn čoray) ins Land der Maskʿut, brachen ein ins Land Pʿaitakaran und über den Fluss Erasx ins Land der Perser, verwüsteten Artavēt und Ganjak šahastan und den District mit Namen Atʿšibaguan und aspatar omn Pʿeroz22) Lies Spandaran-Peroz vgl. MGg. p. 610, wo die Districte von Pʿaitakaran heissen: Atʿlibagavan, Spandaranperož, Ormzdperož.) sowie Ormizd-Pʿeroz Levond 131

= pers. Ganǰak, Ganǰa gr. Γάζακα (βασίλειον θερινόν) Strabo 523, lat. Gaza, Ganzaga Plin., Gazaca Ammian, syr. גנזךְ ד אדורביגן im Jahr 485 ZDMG. 43, 409, arab. J̌anza, J̌aznaq etc. Tab. 100, Barb. 17, 161, 171.

Davon zu unterscheiden Ganjak in der Provinz Arc̣ax, bei Vardan und Kir., vgl. Inǰiǰean 310, jetzt Jelisawetpol. — Ganjak in Atrpatakan wird bei El., Laz., MX. nicht erwähnt.

Garikʿpet Bruder des Ṙostom (unter Yezdegerd III.) Sb. 102, offenbar nur der Titel desselben = pers. —?

48. Գեղ Geł (Gel), Gelan, Gilan öfter neben Դեղում Dełum (Delum) genannt:

El. 90: die Truppen aparhayik33) Bei Johanniseanc̣ p. 106: die Truppen von Aparhac̣.) und die der Katiš44) Vgl. Laz. 211, 369, 394 und ZDMG. 33, 160. Die bei Laz. 369 neben den Katiš erwähnten Koprikʿ, sind wohl die bei Ag. 628 neben Neu-Širakan (s. unter Nixor) und bei FB. 159, 209, El. 72 neben den Kordukʿ und Tmorikʿ genannten Kordikʿ, Vgl. MGg. 608, Sb. 60.) und der Hunnen (Honac̣) und der Gełen (Geł-ac̣); Pseud. 110: er sei geflohen zu den Kasbischen (kasbiakan) Thoren nahe beim Lande Tʿališ55) Pers. Tāliš Tab. 481. ) im District Gilan (Gilan-ay); MGg. 592: Hyrkanien, Medien, die Delpʿ-kʿ, die Delum-kʿ und Kasb-kʿ, (lies Gel-kʿ für Delpʿ-kʿ, vgl. MGg. ed. Patk. p. 6); ebenda 613: Atrpatakan, Ṙē, Gelan, Mukan, Dilumn, Ahmadan u. s. w.; MGg. ed. Soukry p. 12: Dilum-s (acc.) — Geł-aukʿ (instr.) und Kadšaukʿ (instr.); 40: Ṙē, Gełan, Šančan, Dlmun-kʿ, Dmbavand u. s. w.; 41: Kasb, Kʿagaguš, Gel-kʿ, Dilum-kʿ (nach »Ptłomēos«)66) Vgl. Ptolemaeus VI, 2, 5. ); Sb. 57,35 z. 2 und 14 v.u.: Vstam empörte sich gegen Xosrov und begab sich in das feste Land Gełum (gen. Gełm-ay, lies Dełm-ay von Dełum, vgl. Nöld. Tab. 478—480, syr. Chron. p. 8), ebenso Sb. 58, z. 2 v.u., 59, z. 3; Sb. 61, 7 v.u. : zaurkʿ Gełum-kʿ (lies Dełumkʿ); Sb. 34, z. 2 v.u.: i Gełum-s (lies i Dełum-s); Sb. 147, 8—9 v.u. : Del-n ev Delum-n (lies Gel-n ev Delum-n ‘die Gēlen und Delum’); MX, 131: die Bewohner des Gebirges, das in ihrer Sprache Patižahar gavaṙ (d. i. phl. Patašxvārgar, s. unten) genannt wird, d. i. das Gebirge der Gełumn11) Hier wohl Dełum zu lesen, vgl. phl. Dēlamān und Patašxvārgar BB. 4, 47.) (Gełmanc̣), die Küstenbewohner — und das Land des Kasbier (Kasbic̣); Mos. Kal. I, 294: Gełmnazgi22) Die Form Gełum, Gełumn ist falsch und in Geł oder Dełum, Dełumn zu ändern, falls nicht anzunehmen ist, dass der Autor selbst die Form Gełum (aus Geł nach Dełum) gebildet hat.) omn (var. Gełanazgi ‘ein Gilaner’ MGg. ed. Patk. p. 60); Thom. 302: i zôrac̣ Delmkac̣ ‘von den Truppen der Delmik’; Vardan 95: z Delmik-s; Kir. 123: das Land Persien, Atropatene und Dilum (Dilm-ay gen.).

Hier ist arm. Geł, Gel, pl. Geł-kʿ, Gel-k = gr. Γῆλαι Strabo 503, 508, 510, np. Gēl, davon gēlī ‘Gilaner’ Barb. 187; arm. Gełan, Gelan, Gilan = lat. Gelani Ammian 17, 5, 6 (cum Chionitis et Gelanis), np. Gēlān (pl. von Gēl) ‘die Gelen, das Land der Gelen’, Tab. 479, davon gēlānī ‘was aus Gilan kommt’ Barb. 187, syr. גילן ZDMG. 43, 407. — Arm. Delum = syr. Dēlom Nöld. syr. Chron. 8, np. Dēlam Tab. 478—481, np. phl. Dēlamān BB. 4, 47, Vullers Wb., arab. Dailam, davon np. dēlamī ‘dilemiticus’ (Vullers Wb.) aus phl. *dēlumīk = arm. Delmik; gr. Διλιμνῖται (Agathias), Δελεμῖται.

Gołon Mihran s. unter Čihr.

Gohar s. unter gohar.

49. Գոտորզ Gotorz Artsrunier Laz. 15 = np. Gōdarz, lat. Gotarzes Partherkönig (41 p. Chr.) Tac. —?

Gumand Šapuh General des Perserkönigs Šapuh FB. 148, 248 = pers. —?

50. Գունդիշապուհ Gundišapuh MGg. 613 (bei Soukry 41: Gundir-Šapurh) Stadt in Xužastan (Susiana)

= pers. Gundišāpūr, älter Gundēv-šāpūr, arab. J̇undai-sābūr, gr. Βενδεισαβόρων33) Corrigirt von Nöldeke aus Βενδοσαβείρων Theophyl. ΙΙΙ, 5.) πόλις Tab. 41, Nöld. Aufs. 95.36

Gurgan s. unter Vrkan.

Gurgēn s. unter Vrkēn.

Grvandakan die Burg, wo Bindōi gefangen sass Sb. 30, 32 = pers. —?

51. Դանըշման Danəšman Herr von Sebaste (im 11. Jhd.) Vardan 112, 113

= np. dānišmand ‘gelehrt’. Vgl. Mordtmann, die Dynastie der Danischmende (in Siwas von 1072—1174/5) ZDMG. 30, 473.

52. Դատ Dat Išxan von Hašteankʿ FB. 21, Dat Karapet d.i. »Vorläufer« (gr. Ag. προμηνύτης) des Königs Trdat Ag. 641; Dat Aṙavełean Laz. 256

ist eine Abkürzung von Namen wie Δαταφέρνης oder Σπιθριδάτης11) Im Arm. vgl. Mihrdat, Všnaspdat.) (Fick, gr. Personennamen 1. Aufl. CXXV), phl. Dātfarraxv ZDMG. 44, 652, Dāt-Ohrmazd Horn, Sieg. 25, 26, 29, pers. Yazdāndāδ Tab. 396.

Vgl. Δᾶτης Herodot etc. und Hrartin Datan = Hrartin Sohn des Dat, pers. Marzpan in Armenien i. J. 590 Sb. 34.

Dazu Դատոյեան Datoyean pers. Hrama(na)tar Sb. 66, pers. Heerführer Sb. 73, Patronym. der Koseform Datoy = np. Dāδōi, Δαδώης Nöld. Stud. I, 11, 18.

Auch in Դատաբէն Databēn (gen. Databenay) Nahapet der Bznunier FB. 19.

53. Դարբանդ Darband MGg. 605, Levond 64, Kir. 213, 232

= np. Darband Stadt am kaspischen Meer mit berühmtem Engpass (np. darband eigentlich ‘Thür-verschluss, Riegel’, MGg. ed. Soukry 27 = ‘Band und Thür’), arab. Bāb al Abvāb Barb. 68.

54. Դարեհ Dareh ‘Darius’ Daniel 6, 1 u.s.w., Pseud. 30 flg., Dareh Sohn des Vštasp MX. 99, Thom. Vardan (s. Index), spätere Form: Դարա Dara, Sohn des Babik, des Herrn der Siunier, des Schwiegervaters König Aršak’s von Armenien MX. 233

= ap. Dārayava(h)uš hebr. Dārəyāveš, syr. Dāryāvaš Hoffmann p. 45, phl. Dārāyāv, pers. Dārāv, Dārāb, Dārā Tab. 3,6, gr. Δαρεῖος.37

55. Դեհկան Dehkan Nahapet, persischer Heerführer, Verwandter der Mamikonier FB. 149

= np. dihkān ‘Landedelmann’ Tab. 351, mp. *dēhkān (s. unter deh).

Dełum s. unter Geł

56. Դենշապուհ Denšapuh hambarakapet El. 19—139, Laz. 293, 309, 310, 314 (hambarakapet) 317, 319, abgekürzt aus Վեհդենշապոիհ Vehdenšapuh, mit obigem identisch Laz. 262—318 (ambarapet 262, 264, 291)

= phl. V(o)hūdēn Š(ā)hpuhr-ī zī Airān anb(ā)rakpat-ī ‘der rechtgläubige Šāpūr, Reichsmagazinverwalter’ Tab. 444, ZDMG. 44, 671.

57. ԴՒևդատ Devdat Sohn des Apʿšin11) Vgl. np. Afšīn N. pr. Vullers Wb.), des arab. Ostikans von Atrpatakan Job. Kath. 102—104.

= zd. daevōdātā- ‘von den Devs geschaffen’. Vgl. phl. šēdāvēš (sprich dēvvēš Horn, Sieg. 30) und zd. daevōṭbi- N. pr.

58. Դըմբավւընդ Dəmbavənd der Berg Demavend MX. 62, Dmbavand District in Medien MGg. ed. Soukry 40 (= Dmbvar MGg. 613, entstellt)

= phl. Damāvand BB. 4, 47, Bdh. 70, 1 (kōf i Damāvand), »Dimbhāvand« West, PT. I, 234, arab. Dunbāvand Albīrūnī, übers. von Sachau p. 213, 32; 214, 4, 5, Damāvand, Dabāvand, Danbāvand, Dunbāvand Barb. 224, 235, 236, np. Damāvand Fird. I, 61 (bei dem Dunbāvand u.s.w. nicht ins Metrum passte), vgl. Spiegel, Eran. Alterth. I, 70, Justi, Btrg. zur alten Geogr. Pers. II, 3.

Die älteste Form scheint Dunbāvand gewesen zu sein.

Dmavund s. unter Kavosakan.

Dołəvč(?) pers. General unter Yezdegerd II. Laz. 202 = pers. —? Vgl. Δολαβζάν pers. Satrap (unter Xosrov II.) Theophyl. V, 3 (Ζαλαβζάν V, 16).

[.....]
399

V. Theil.

Echtarmenische Wörter.

Die armenische Sprache ist ein selbständiger Zweig des indogermanischen Sprachstammes, im Vocalismus mit den europäischen Sprachen übereinstimmend, in der Entwicklung der Gutturalreihen mit dem Indo-Iranischen, Slavo-Lettischen und Albanesischen gehend, sonst aber frei von allen charakteristischen Merkmalen der indo-iranischen Sprachen. Die Träger dieser Sprache haben danach von Haus aus als Indogermanen zu gelten, gleichviel ob sie nach der Zeit der indogermanischen Gemeinschaft und vor dem Eintritt in die Geschichte sich, wie zu vermuthen ist, mit andern Volksstämmen gleicher oder verschiedener Abstammung mehr oder weniger vermischt haben. Wo aber ihre Sitze vor Jahrtausenden gewesen, auf welchem Wege sie aus ihnen nach Armenien gekommen und zu welchen Völkern sie dabei in engere Beziehungen — Beziehungen, durch die ihre Race oder Sprache beeinflusst werden konnte — getreten sind, wird schwerlich je mit Sicherheit festzustellen sein. Nach Kretschmer (Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache 1896, p. 208 flg.) sassen die Armenier, einst ein Zweig der phrygischen Nation (Φρυγῶν ἄποικοι Herodot VII, 73) und eine dem Phrygischen verwandte Sprache sprechend (Eudoxos bei Steph. Byz. s. v. Ἀρμενία) vor Zeiten im Norden von Thessalien11) Vgl. E. Meyer, Geschichte des Alterthums II (1893), p. 58: »Auch an sich ist es in hohem Grade wahrscheinlieh, dass die Indogermanen Kleinasiens und Armeniens von Thrakien aus in ihre späteren Wohnsitze gelangt sind«. Aehnlich p. 41. Anders dagegen Kiepert, Alte Geographie p. 75. ) und wanderten, nachdem im dritten Jahrtausend die thrakisch-phrygischen400 Stämme in Bewegung gekommen waren (a.a.O. p. 181), mit diesen nach Kleinasien, zogen über Bithynien und die nördlichen Länder nach Kleinarmenien, um später von da aus in das eigentliche Armenien vorzudringen11) »Vom Bosporus aus durch die paphlagonischen Thalgebiete ostwärts zum Halys (arm. Ałi ‘der salzige’), dann aber über das nachmalige θέμα τῶν Ἀρμενιακῶν in das Längsthal des Lykos oder Gail-get, von da aber die Klause von Satala zum oberen Frāt und endlich in die Ebene Airarat der Alarodier« Tomaschek, Die alten Thraker (1893) I, 4.). Hier sass (nach E. Meyer, Geschichte dee Alterthums I, p. 295) in der Gegend zwischen dem Van-see und dem Araxes sowie in der Araxes-ebene selbst ein von den Assyiern Urarṭu, von Herodot Ἀλαρόδιοι (III, 94; VII, 79) genanntes Volk, nach dem das Land bei den Hebräern אררת Ărārāṭ, bei den Armeniern Airarat {??} (Centralprovinz22) So genannt FB. 143, z. 13 v.u. ) des armenischen Reiches zur Sassanidenzeit) hiess. Ein Stamm dieser Alarodier, den Belck und Lehmann die Chalder nennen, hatte ein Reich mit der Hauptstadt Tuspa33) Griech. Θωσπία als Stadt, Θωσπῖτις als Land bei Ptol. 5, 13 u.s.w., arm. Tosp als District der Provinz Vaspurakan MGg. 60S, als District mit der Stadt und Festung Van FB. 172, 178, 243. MX. 223 nennt die Stadt Van Tospay ‘Van von Tosp’, Thorn. 51, 63 u.s.w. sowohl Van (»Stadt und Festung«) wie Vantosp (»Stadt der Semiramis«). ) (keilinschi.Tušpā), dem heutigen Van, gegründet, das im neunten Jahrhundert zu grösserer Macht und Bedeutung gekommen war. Vergeblich zog im achten Jahrhundert der Assyrerkönig Salmanassar III (782—772) in sechs Feldzügen gegen dieses Reich, das damals »das ganze armenische Hochland von den Quellen des Euphrat und Araxes bis über den Urmia-see hinaus umfasste« (a.a.O. p. 418), erst dem gewaltigen Tiglatpileser II gelang es im Jahre 743 über König Sarduri II von Urarṭu und seine Vasallen (von Melitene, Kummuch, Gangum u.s.w.) den Sieg davon zu tragen und das Reich auf seine alten Grenzen zu beschränken (p. 448), in denen es noch über hundert Jahre bestehen blieb (p. 484), bis die von Herodot berichtete Invasion der Kimmerier und Skythen (Saken) stattfand, in Folge deren nicht nur die Macht der Assyrer zu Gunsten der Meder geschwächt, sondern überhaupt die Verhältnisse der vorderasiatischen Völker gründlich umgestaltet wurden. »Wie wir401 wieder einen Einblick in die Verhältnisse dieser Gebiete erhalten, ist das mächtige Reich Urarṭu verschwunden, die Moscher und Tibarener sind an die Küsten des Pontos zurückgedrängt. An ihrer Stelle tritt uns jetzt zuerst der Name der Kappadoker entgegen. Die Alarodier sind zwar nooh nicht verschwunden, aber neben ihnen treffen wir am obern Euphrat und bis zu den Tigrisquellen die Armenier« (p. 559). Dies sind die indogermanischen Armenier, die im 5. Jhd. bei Herodot als Ἀρμένιοι11) Schon bei Hekataios (Kiepert, Alte Geogr. p. 75). Der Name soll nach Kieperts Vermuthung a.a.O. von den Medern kommen. ), Ende des 6. Jhd. in den Inschriften des Achämenidenkönigs Darius (521—485) als Arminiya genannt werden, deren Land (gr. Ἀρμενία, ion. Ἀρμενίη Hdt. V, 52, ap. Armina- und Armaniya-) nach Herodots Andeutungen von den Halysquellen und dem die Grenze zwischen Cilicien und Armenien bildenden (Hdt. V, 52) Theile des Euphrat im Westen22) Im Süden fand Xenophon den Fluss Kentrites als Grenze zwischen Armenien und dem Land der Karduchen (Anab. IV, 3).) bis zum Quellgebiet des Euphrat und Tigris sich erstreckte33) Nach Hdt. V, 49 (Erztafel des Aristagoras, nach Hekataios) wohnen die Armenier zwischen den Ciliciern und den Matienern. Nördlich und östlich von ihnen sassen die Σάσπειρες (allein zwischen Kolchern und Medern wohnend Hdt. I, 104, IV, 37, 40, vgl. VII, 79) und die Ἀλαρόδιοι (Hdt. III, 94; VII, 79). Ueber die Saspeiren s. Kiepert, Alte Geogr. p. 83.). Sollte nun die Skytheninvasion, die dem Reiche Urarṭu ein jähes Ende bereitete und so grosse Umwälzungen veranlasste, nicht auch mit dem Auftreten der vor dem 6. Jhd. nicht genannten Armenier in Zusammenhang stehen? In der That vermuthet neuerdings E. Meyer, Geschichte des Alterthums II (1893), p. 41, »dass wahrscheinlich die Kappadoker und Armenier in ihre geschichtlichen Wohnsitze erst spät, im siebenten Jahrhundert, vielleicht im Zusammenhang mit den Kimmerierzügen gelangt sind44) Ebenso Tomaschek, Die alten Thraker (1893) p. 4.) oder doch grössere Ausdehnung gewonnen haben«, und diese Vermuthung dürfte in so vorsichtiger Fassung wohl annehmbar erscheinen. Ihr treten auch Belck und Lehmann in ihren Chaldischen Forschungen (Verhandlungen der Berliner anthrop. Ges. 1895) p. 580, 607 bei,402 die aber weiter gehen und behaupten, dass ein Rest der von den einwandernden Armeniern unterworfenen oder verdrängten (p. 584, 587) älteren Bevölkerung in den später nördlich von Kleinarmenien sitzenden Chaldern (arm. Xałti-kʿ FB. 179, gr. Χάλδοι, bei Xenophon Χαλδαῖοι) sich erhalten habe, die ursprünglich südlich vom Van-see gesessen und in der weiteren Umgebung des Sees noch mindestens bis gegen Ende des 5. Jahrhunderts vor Chr. verblieben wären (p. 583 flg.). Die Berechtigung, in diesen Chaldern den führenden Stamm der Alarodier (oder Urarṭäer) zu sehen, oder aber ‘Chalder’ für den einheimischen Namen eben dieser Alarodier zu halten, leiten sie11) Unter Zustimmumg von Gelzer, Artikel Armenien in der Real-Encyklopädie für Theologie und Kirche p. 63, Marquart, Untersuchungen zur Geschichte von Eran Nr. 8 (Philologus Bd. 55, p. 237) und vielen Andern.) daher, dass in den Inschriften der Könige von Van als Hauptgottheit Chaldi (Ḫaldi) genannt wird, dass Chaldi hier auch als Name des Volkes (p. 582) vorkommt, und dass die Sitze der Chalder sich einst bis südlich vom Van-see erstreckt haben sollen.

Bald nach ihrer (oben vermutheten) Einwanderung ins westliche Armenien geriethen die Armenier unter die Herrschaft der Meder, dann der Perser (s. oben p. 8), unter denen sie ihr Volksthum nach Norden und Osten, in die Länder am oberen und mittleren Araxes ausbreiteten. Ihr Name wird dann auch auf das Land Urarṭu übertragen; die Satrapie, in der nach Herodot die Alarodier wohnen, heisst bei Xenophon22) Siehe oben p. 9. ) Ostarmenien. Ebenso wird in den Achämenideninschriften das Land, welches persisch Armina (susisch Harminijap) heisst, babylonisch Urašṭu (Nebenform von Urarṭu) genannt. Politisch ist indessen das Alarodiergebiet erst in hellenistischer Zeit, nach 189 vor Chr., durch König Artaxias von Armenien33) Siehe oben p. 10. ) mit den westlicheren Gebieten zu einem grossarmenischen Reiche vereinigt worden44) Nach Strabo XI, 14, 5 (cap. 528) hatte Zariadris Sophene, Ἀκισηνή? (l. Ἀνζιτηνή?) und Odomantis und einige andere Kantone, Artaxias dagegen das Land um Artaxata (= Artašat in der Provinz Airarat), dazu erwarben sie von den Medern Kaspiane, Phaunitis und Basoropeda, von den Iberern die Bergseite des Paryadres, Xorzene und Gogarene jenseit des Kyros (Fluss Kur), von den Chalyben und Mosynoiken Karenitis und Derxene (Hdschr. Xerxene), die an Kleinarmenien angrenzen oder auch Theile desselben sind, von den Kataonern Akilisene und das Land am Antitauros, von den Syrem Tamonitis (?, nach Tomaschek, Sasun p. 9 Ταμωρῖτις?), »sodass (jetzt) alle gleichsprachlich sind«. — Zu Akilisene vgl. Strabo cap. 530: τὴν Ἀκιλισηνὴν τὴν ὑπὸ τοῖς Σωφηνοῖς πρότερον οὖσαν. Ueber Kataonien s. W. Fabricius, Theophanes v. Mytilene p. 42, aber Akilisene ebenda p. 142, über Tamonitis p. 147. ), und seitdem verschwindet die Nationalität403 der Alarodier vollkommen« (E. Meyer, Geschichte des Alterthums I, 297). Ein Nachkomme dieses Artaxias, Tigranes11) Siehe oben p. 10.), entthronte den Artanes, den letzten Nachfolger des Zariadres von Sophene22) Oben p. 10 fälschlich Zadriades genannt, s. die Nachträge.) und stellte, indem er auch dieses Land seinem Reiche einverleibte (ungefähr ums Jahr 90 vor Chr.), für lange Zeiten die Einheit des armenischen Reiches her, das noch in der späten Geographie des Moses33) Der über Armenien handelnde Theil rührt in der vorliegenden Gestalt aus dem 6. Jhd. her, nach Kiepert, Monatsber. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1873, p. 600. Nach Tomaschek, Sasun p. 7 geht die ganze Geographie »in ihrem Grundbestand« in die Mitte des 5. Jhd. zurück.) in folgende 15 Provinzen eingetheilt wird: 1) Hoch-Armenien mit 9 Kantonen (darunter Ekełeac̣ = Ἀκιλισηνή Strabo; Derǰan = Δερξηνή Strabo, Plinius; Sper = Σάσπειρες Herodot, Συσπιρῖτις Strabo cap. 503, 530; Karin = Καρηνῖτις Strabo, Caranitis Plinius); 2) Viertes Armenien44) Im Jahre 536 von Justinian eingerichtet.) mit 8 Kantonen (darunter Hahšteankʿ = Ἀσταυνῖτις Ptol. (Kiepert, Monatsb. d. A. W. zu Berlin 1873, 197), Ἀσθιανηνή Justinian; Balahovit = Βαλαβιτηνή Justinian; Copʿkʿ = Σωφηνή Strabo, Τζοφανηνή und Τζοφηνή Justinian; Hanjitʿ = Ἄνζητα, Ἀνζιτηνή Ptol. u.s.w., Χανζίτ Konstant. Porphyr.; Dēgi-kʿ = Διγισηνή (Kiepert, Monatsb. d. A. W. zu Berlin 1873, p. 199); 3) Ałjni-kʿ mit 10 Kantonen (darunter Arzn = Arzanene Ammian. Marc, Ἀρζανηνή s. Kiepert, Monatsb. d. A. W. zu Berlin 1873, p. 184 Anm., Gelzer, Georg. Cypr. p. 165, syr. Arzōn; Npʿrkert = syr. מיפרקט, arab. Maiyāfāriqīn = Martyropolis?55) Vgl. Kiepert, Monatsb. d. A. W. zu Berlin 1873, p. 196. ); Sasun-kʿ oder Sanasun = Σανασουνῖται Gelzer, Georg. Cypr. p. 48, Tomaschek, Sasun404 p. 8); 4) Turuberan mit 16 Kantonen (darunter Xoitʿ = Χοθαῖται Gelzer und Tomaschek a.a.O.; Taraun = Taraunitium (Hdsch. Tauraunitium) Tac. Annal., Τάραυνα Procop, Ταρών Konstant. Porphyr. ; Apahuni-kʿ = Ἀπαχουνή Konstant. Porphyr.); 5) Mok-kʿ = Moxoene Ammian. Marc, mit 9 Kantonen; 6) Korčai-kʿ mit 1 1 Kantonen (darunter Kordu-kʿ = Corduene Ammian. Marc., Καρδοῦχοι Xenophon, Cordueni Plinius); 7) Persarmenien mit 9 Kantonen; 8) Vaspurakan = Βασπαρακανά Konstant. Porphyr. mit 36 Kantonen (darunter Tosp = Θωσπῖτις, Θωσπία Ptol. s. oben p. 400; Arčišahovit d.i. Arčiš-thal, vgl. Ἄρσισσα, var. Ἄρσησα Ptol. (ein Theil des Van-sees, nach der Stadt Arčēš benannt); Naxčuan mit gleichnamiger Stadt = Ναξουάνα Ptol) ; 9) Siuni-kʿ mit 12 Kantonen; 10) Arčax (Arjax) mit 12 Kantonen, »die Albanien hat«; 11) Pʿaitakaran mit 12 Kantonen, »die jetzt Atrpatakan hat«; 12) Uti = Otene Plin., Οὐιτια11) Vgl. Fabricius, Theophanes von Mytilene p. 145.) Strabo mit 7 Kantonen, »die Albanien hat« (darunter Šakašēn = Σακασηνή Strabo); 13) Gugar-kʿ = Γωγαηνή Strabo mit 9 Kantonen, »die Iberien hat« ; 14) Tai-kʿ = Τάοχοι Xenophon, Τάοι Steph. Byz. mit 9 Kantonen; 15) Airarat (s. oben p. 400) mit 20 Kantonen (darunter Basean = Φασιανοί Xenophon; Bagrevand = Βαγραανδαυηνή (l. Βαγραυανδηνή) Ptol.; Širak = Σιρακηνή Ptol.; Kotai-kʿ = Κωταία? Ptol.; das Ostan von Dvin (bis zur Ebene Šarur) = τὸ Δοίβιος Procop).

Wie weit es aber den Armeniern im Laufe der Parther- und Sassanidenzeit gelungen war, die in diesem ganzen Gross-Armenien genannten Reiche eingesessenen Völker zu armenisiren und wie weit nicht, ist bisher noch nicht genügend untersucht worden. Doch bemerkt Kiepert22) Alte Geographie p. 79, 80, 81, 82, 83.), dass in der westlichen Thalebene des Tigris und im Euphratthal »im Alterthum und noch im Mittelalter — nach den ausdrücklichen Zeugnissen armenischer und syrischer Schriftsteller und nach der Sprache der Ortsnamen — aramäische (syrische), im östlichen Hochgebirge (Corduene und Moxoene) kurdische Bevölkerung vorherrschte«, und dass in den nördlichen Landschaften bis nach Basean (Phasiane) das herrschende armenische Volk die ent405schiedene Minderheit gegen stammfremde; meist zu den Iberern (Georgiern) gehörende Bevölkerungen noch heut wie im Alterthum bildet. Entsprechend habe ich11) Festgruss an Roth p. 100 Anm. 3.) auf Grund der von Inǰiǰean gesammelten Ortsnamen vermuthet, dass eine dichtere armenische Bevölkerung nur in Hocharmenien, Airarat, Turuberan und Vaspurakan gesessen hat. Neuerdings hat Tomaschek22) Sasun und das Quellengebiet des Tigris, Wien 1895.) überzeugend nachgewiesen, dass in den oben genannten Kantonen Sasun (Provinz Ałjni-kʿ) und Xoitʿ (Provinz Turuberan) noch im 10. Jhd. ein unarmenisches Yolk mit unarmenischer Sprache vorhanden war. Unarmenisch war auoh das Volk der Ortäer (syr. Urṭāyē). die nach syr. Berichten (Nöldeke, ZDMG. 33, 163 flg.) noch im 5. und 6. Jhd. im Kanton Hanjitʿ (s. p. 403) sassen. Weiter in der Erkenntniss der ethnologischen Verhältnisse Armeniens vorzudringen, muss freilich künftigen Forschungen vorbehalten bleiben33) Eine arm. Tradition über ältere Dialecte s. in den Nachträgen.).

Angenommen nun, dass die hier wiedergegebenen Hypothesen über die Einwanderung der Armenier im Wesentlichen richtig waren, so würde sich daraus ergeben, dass das Armenische in enger Beziehung zu den thrakisch-phrygischen Sprachen, insbesondere aber zum Phrygischen steht, und dass es in der Urzeit möglicherweise aus kleinasiatischen Sprachen, insbesondere aber aus dem Chaldischen (Alarodischen) fremdes Sprachgut aufgenommen hat44) Tomaschek, Die alten Thraker I, 3,4. Vgl Kretschmer, Einleitung p. 121.). Da uns aber die genannten Sprachen theils ganz unbekannt, theils nur aus spärlichen Glossen, Namen oder ungenügend erklärten Inschriften bekannt sind, so ist mit jenem Ergebniss für die Erklärung des Armenischen zur Zeit nichts gewonnen: weder erhält die armenische Etymologie Licht aus dem Phrygischen, noch lassen sich die urzeitlichen Lehnwörter erkennen und ausscheiden, und nicht einmal die Thatsache, dass das armenische Lautsystem kaukasischen Characters ist, wird dadurch erklärt55) Denn der »kaukasische« Charakter des Chaldischen ist bis jetzt nicht erwiesen, trotz Tomaschek, Sasun p. 2, Belck und Lehmann, Chaldische Forschungen p. 587 u.s.w. Es liegt zudem ebenso nahe, auf den Einfluss der in den nördlichen Provinzen Armeniens urspünglich einheimischen (s. oben p. 405) sowie der angrenzenden (s. oben p. 396) Landessprachen hinzuweisen. Durch den Einfluss seiner Umgebung hat auch das Ossetische, obwohl im Westen echt iranisch geblieben, ein kaukasisches Gewand angelegt, vgl. meine Etym. und Lautl. der osset. Sprache p. 115— 117.). Wir werden406 uns dahervorläufig weiter damit begnügen müssen, die armenische Sprache durch Vergleichung mit den uns erhaltenen indogermanischen Sprachen etymologisch zu erhellen und grammatisch zu erklären, indem wir dabei alles sprachliche Material, das wir nicht als entlehnt erweisen oder mit guten Gründen als solches verdächtigen können, als echt und indogermanisch ansehen, unbekümmert darum, ob wir durch spätere Forschung des Irrthums überführt werden, ein »chaldisches« oder ein anderes Lehnwort für indogermanisch gehalten zu haben.

Ich verzeichne nun die Ergebnisse der bisherigen Forschungen über armenische Etymologie, d.h. alle bis jetzt ermittelten armenisch-indogermanischen Gleichungen mit Ausnahme derjenigen, die ich für falsch halte und von denen ich annehmen zu dürfen glaube, dass sie auch aus leicht erkennbaren Gründen von Andern für falsch gehalten werden. Im Zweifelsfalle habe ich mit der Etymologie auch die Gründe, warum ich sie verwerfe oder bezweifele, angegeben. Belegstellen zur Bestimmung der Zeit, wann die armenischen Wörter vorkommen, habe ich in diesem Theil nicht beigebracht, da diese Wörter durch die Etymologie, wenn sie richtig ist, als uralt erwiesen werden. Im Uebrigen sind die Wörter, zu denen nichts bemerkt ist, sämmtlich schon im 5. Jhd. nach Chr. in der armenischen Litteratur nachweisbar, und wer Belege zu haben wünscht, findet sie genügend im Wb. und in der armenischen Bibelconcordanz (Jerusalem 1895).

Ueber die armenische Lautlehre wird später in der eigentlichen Grammatik eingehender zu handeln sein. Hier soll nur zur allgemeinen Orientierung sowie zur Beurtheilung der folgenden Etymologien eine Tabelle der sicheren indogermanisch-armenischen Lautentsprechungen aufgestellt werden, zu deren Begründung ich theils auf die Lautlehre der armenischen Sprache in meinen Armenischen Studien p. 57—78 theils auf die folgenden Etymologien selbst verweise.

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1. ագանիմ ag-ani-m (aor. 1. p. ag-ay) ‘ich ziehe mir (etwas: Kleider, Schuhe u.s.w.) an’, caus. ag-uc̣-anem ‘Jmd. etwas anziehen, bekleiden’, aṙ-ag-ast ‘Hülle, Vorhang (übertragen: Vorwand), Brautgemach, Segel’ : zd. aoθra- ‘Schuh’, lit. av-iù ‘trage Fussbekleidung’, au-nù (inf. aũti) ‘ziehe Fussbekleidung an’, lett. áu-ju ‘lege Fussbekleidung an’, ksl. o-bu-ją dass., lat. ind-uo ‘ziehe an’, umbr. an-ovihimu ‘induimino’. Idg. 1. pr. *évō oder *óvō (nicht *ávō). — Bugge Btrg. p. 13, 14.

Arm. ag- = idg. ov. Ueber arm. a = idg. o s. Bartholomae BB. 17, 91 flg., anders Meillet MSL. 8, 153 flg., über arm. g = idg. v meine Arm. Stud. p. 65. — Hierher stellt Bugge KZ. 32, 29 von neuem arm. աւդ aud (gen. audi) ‘Schuh’, das er auf urarm. *autí- zurückführt —?

2. ագանիմ ag-ani-m (aor. 1. p. ag-ay) ‘übernachte, bleibe die Nacht über’, caus. ag-uc̣-ane-m ‘beherberge’, vair-ag ‘auf dem Lande lebend’ (ἄγροικος Gen. 16, 12); dazu աւթ autʿ ‘Uebernachten, Nachtruhe, Station’ (Sb. 68), das selbst wieder mit ag- zusammengesetzt wird: autʿ-ag-anam ‘übernachte’, bac̣-autʿe-ag ‘im Freien übernachtend’ (Luc. 2, 8): Wrzl. av in gr. ἰαύω412 (= *iy-au-yō) ‘schlafe’, αὖλις ‘Nachtlager'. — Bugge, Btrg. p. 14, Fr. Müller, Armeniaca VI, p. 8, Bugge, Idg. F. 1, 446.

Unsicher. — Ueber ἰαύω ‘schlafe’ neben ἀέσαι ‘die Nacht zubringen’ (Wrzl. ves) s. Schulze, Quaestiones epicae p. 71—75; über αὐλή ‘Hof’ ebenda p. 72 Anm. — Bugge und Fr. Müller stellen zd. av ‘gehen’ hierher, Fick Wb.4 I, 170 zur vorangehenden Nummer (lit. aunù u.s.w.), ich lasse es beiseite. — Bugge führt autʿ auf urarm. *aũti- zurück —?

3. [ազազիմ az-az-inam ‘vertrockne, werde dürr’ (bes. von Pflanzen), az-az-un ‘dürr, vertrocknet’: gr. ἄζω ‘dörre, trockne’, ἄζομαι ‘verdorre’ (aus *azdo-), nsl. ozditi ‘darren'. — Bugge, Idg. F. 1, 445, KZ. 32, 1.

Falsch, da idg. zd = arm. st sicher, Bugge’s Gesetz: idg. zd vor dem Accent = arm. z nicht begründet ist.]

4. [ալափ alap aṙnem, alapʿem ‘plündere’, erst bei Mt. Urh. und Oskiph. (12. Jhd.): gr. λάφυρον ‘Beute'.

Unsicher, da man arm. lav für gr. λαφ- (Wurzel labh) zu erwarten hatte und Grund zur Annahme einer Wurzel laph (s. unten lapʿem) nicht gegeben ist.]

5. ալոք ali-kʿ plur. (gen. aleac̣) 1) ‘die Wellen, Wogen’, 2) ‘der weisse Bart, das weisse Haar’ (der Greise), davon alevor (*ali-a-vor) ‘greis’ (vom Haar Pseud. 9, z. 2 v.u.) = gr.πολιός ‘weissgrau, greis’, sowohl vom Haar wie vom brandenden Meere gesagt (vgl. hom. ἁλὸς πολιοῖο und ἁλὸς πολιῆς), αἱ πολιαί ‘weisses Haar’. Idg. *polio-. — Bugge, Btrg. p. 9. Weitere Verwandte (skr. palitá- ‘greis, altersgrau’ etc.) s. bei Fick Wb.4 I, p. 478.

Zum Abfall des anl. p = arm. h vgl. otn ‘Fuss’ = idg. *pod-.

6. ածեմ ac-em (aor. 1. p. ac-i) ‘bringe, führe’ = skt. áǰami ‘treibe’, zd. azāmi ‘führe, treibe’, gr. ἄγω ‘führe', lat. ago ‘treibe’, an. aka ‘fahren’, air. aig in adaig ‘agit’, atom-aig ‘adigit me’ Idg. 1. pr. ág1ō.

Davon ac-kʿ (nom. pl.) ‘Schössling’ Philo Paralip. (Venedig 1826) p. 153 und Vardan Gen., vgl. im Deutschen der ‘Trieb’ (einer Pflanze) von ‘treiben’.

7. [ածուխ acux ‘Kohle, Kohlen’ (Klagel. 4, 8 für ἀσβολή ‘Russ’), auch acuł geschrieben FB. 52, z. 1 v.u., 53, 2: skr. áṅgāra- np. angišt, lit. anglìs, ksl. ąglĭ ‘Kohle’. — Fr. Müller, WZKM. 8, 361.

Falsch, zumal acux die richtige Lesart ist.]

4138. ական akan der (zum Zwecke des Einbruches in ein Haus angelegte) ‘Graben’ (für gr. διόρυγμα Ex. 22, 2), akan hatanel wörtl. ‘einen Graben schneiden’ = ‘eine Oeffnung (durch die Mauer oder Wand des Hauses, um darin einzubrechen) graben’ (für gr. διορύσσειν Mt. 6, 19, 20; 24, 43) = skr. khani ‘graben’ (khanaka- ‘ein Gräber, Einbrecher‘), zd. kan ap. inf. kantanaiy = np. kandan ‘graben.

Die Zusammenstellung ist richtig, wenn arm. akan in a + kan zu zerlegen und das anlautende a als Praefix (vgl. skr. ākhana-, ākhanika- ‘Dieb, Schwein, Maus’, eigentl. ‘Gräber’) zu fassen ist. Von einem solchen Praefix ist aber sonst im Armenischen nichts bekannt und die arische Praeposition ā hier nur in Lw. (vgl. akah oben p. 94) vertreten. Man könnte freilich in akan ein persisches Lw. sehen = ap. *ākana- (vgl. zd. avakana- ‘Grube’, hankana- (unterirdisches) ‘Haus’ (des Afrasiab), skr. ākhana-), doch liegt ein phl. *ākan nicht vor noch auch macht akan in akan hatanel den Eindruck eines Lehnwortes. Zu iran. kan gehören als Lw. arm. kʿandak ‘Gravirung’ oben p. 256 und xandak ‘Graben’ oben p. 267. Ob auch, wie de Lagarde Ges. Abh. 298 will, arm. apakanem ‘vernichte, verderbe’ und arm. vkandem ‘besiege, unterwerfe, werfe nieder’ (nur Euseb. Chron. I, 53 und Patm. aṙ leh.) dazu gehören, bezweifle ich. Beide müssten dann auch als pers. Lw. (apakanem = phl. *apakanēm; vkandem denom. von *vkand = ap. *vikanti-, vgl. zd. vīkanti- vd. 7, 50 ‘Einreissen‘) gefasst werden.

9. ակն akn (gen. akan, instr. akamb) ‘Auge’, pl. ač̣-kʿ (gen. ač̣ač instr. ač̣aukʿ) = ksl. oko, dual oči, lit. akìs, lat. oculus, gr. ὄμμα (= *οπ-μα) ‘Auge’, hom. ὦπα ‘Gesicht‘, später ὦψ ‘Auge’, dazu πρόσωπον ‘Gesicht’ u.s.w.

Idg. Flexion: nom. sg. *ṓki gen. *oknos, nom. du. *okī́ nach Joh. Schmidt, Pluralb. p. 406. Ueber die arm. Flexion s. Verf. Idg. F. 4, 113. Danach ač̣-kʿ der Fortsetzer des idg. Dualis *okī = ksl. oči, vgl. gr. ὄσσε = *okye = *okie. — Die Bedeutung ‘Auge’ liegt häufig neben der Bedeutung ‘Oeffnung, Loch, Quelle’, so arm. akn (pl. akunkʿ, acc. akuns und akans ‘Oeffnung, Loch, Masche’ (des Netzes), besonders häufig von der Quelle gesagt = ὀπή Jacobusbrief 3, 11, διέξοδος 4 Kg. 2, 21, akn ałber ‘die Stelle der Erde, wo die Quelle (ałbiur) entspringt,414 Anfang, Ursprung der Quelle’ (cf. caput fontis) Eznik 245, FB. 221, z. 9 v.u., MX. 28, 5, akn auch ‘Quelle’ selbst = πηγή Num. 33, 9, FB. 272, z. 9 v.u.: gr. ὀπή ‘Oeffnung, Loch’, πολυωπός ‘maschenreich’ (Netz), lit. ãkas ‘Oeffnung im Eise’, ksl. okno ‘Fenster’. Vgl. wegen der Bedeutung auch arab. ‘ain, hebr. ‘ayin ‘Auge’ und ‘Quelle’, np. čašm ‘Auge’ = zd. čašma ‘Auge’ neben np. čašma = phl. čašmak ‘Quelle’. — Gehört hierher akn (pl. akankʿ) ‘Edelstein’ und -akn in aregakn ‘Sonne’ (areg = arev ‘Sonne’), pʿailakn ‘Blitz’ (pʿailem ‘leuchten, strahlen’), diakn ‘Leichnam’ (di ‘Leichnam’)? Vgl. das Suffix gr. -οπ lat. -oc u.s.w. Joh. Schmidt, Pluralb. 392, Kretschmer, Einl. in die Gesch. d. gr. Spr. 160.

10. [ահեակ aheak (gen. aheki) ‘link’ : skr. savyá-, zd. havya- ‘link’.

Falsch, da skr. savyá- im Arm. etwa durch *hegi oder *egi vertreten sein müsste, vgl. skr. gavya- = arm. kogi. Auch als Lw. kann aheak nicht gelten, da das entsprechende Pehleviwort hōī Bdh. 12, 2 oder havīk Mātīkān i čatrang p. 2, 12 lautet.]

11. աղ (i-St.) ‘Salz’, ałi ‘salzig’, yałem (y-ał-e-m) ‘salze’ (Mt. 5, 13, Mc.9, 48), ałt (i-St.) ‘Salzlager, Salz’, ałt-ałt, ałt-ałt-in, ałt-ałt-uk ‘salzig’, ałc-eal ‘gesalzen’ (Euseb. Chron. I, 130, 5) = gr. ἅλ-ς, lat. sal, ksl. solĭ, got. salt, air. salann, cymr. halan ‘Salz’.

Idg. Flexion nom. sg. *sā́ld, gen. *salnés nach Joh. Schmidt, Pluralb. p. 182. — Arm. ałt = got. salt (dazu got. saltan ‘salzen’), lat. sall- in sallo ‘salze’, idg. *sald-. — Vgl. Ἅλυς Flussname KZ. 32, 81.

12. աղամ ała-m (aor. ałac̣-i) ‘mahle, zerreibe’, ałauri (ała-ur-i) ‘Mühle’ (abgebildet Hantess 1893 Tafel 3) : zd. aša- (aus *arta-) ‘gemahlen’, np. ārd ‘Mehl’ = bal. ārt, afgh. ōṛḁ (= *ārt) ‘Mehl’, neuind. āṭā ‘Mehl’ KZ. 30, 355, gr. ἀλέω ‘mahle’.

Gehört gr. ἀλέω, wie Fick annimmt, zur Wurzel mel ‘mahlen’, so ist es von ałam u.s.w. zu trennen. Doch siehe dagegen Joh. Schmidt, Kritik der Sonantentheorie p. 83. — Gehört arm. ալիւր aliur, aleur (gen. aler) ‘Mehl’ als Lehnwort (KZ. 32, 41) zu gr. ἄλευρον (= ἀλε-ϝρον), ἄλειαρ d.i. ἄλεϝαρ (Schulze, Quaestiones epicae p. 226) oder ist es urverwandt mit ihm? Ich halte es für echtarmenisch. Zur Form vgl. ałbeur ‘Quelle’ = φρέαρ. — Zu ałauri (= *ałatrio) vgl. gr. ἀλέτριος und wegen des Suffixes arm. araur ‘Pflug’.

41513. աղբիւր ałbiur, albeur (gen. ałber) ‘Quelle’ = gr. φρέαρ (hom. φρείατα d.i. φρήατα aus *φρηϝαρ ‘Brunnen’.

Die arm. Formen gehen zurück auf idg. nom. *bhrevr̥, gen. *bhrevros, die griechischen auf idg. nom. *bhrēvr̥, gen. *bhrēvn̥-tos. — Weitere Verwandte s. Per Persson, Wurzelerweiterung p. 126, Schulze, Quaestiones epicae p. 317 Anm., Pick, Wb. II, p. 172.

14. ալուէս alvēs (u-St., gen. alvesu) ‘Fuchs’ : skr. lōpāçá- ‘Schakal, Fuchs’ phl. rōpās, g. rūwās, osset. robas D., rūbas, rūwas T., bal. rōpʿask, np. rōbāh ‘Fuchs’, sariqolī rapc, gr. ἀλάπηξ.

Da unsere Texte in der letzten Silbe armenischer Wörter ē sehr häufig für e setzen, wird der Nom. ałvēs für ałves stehen und lautgesetzlich über *ałuves auf urspr. *alōpek1u- oder *lōpek1u- (vgl. gr. ἀλωπεκ-) zurückzuführen sein. Die arischen Formen entsprechend auf *laupēk1u-. Vielleicht liegt Entlehnung vor, dieselbe müsste aber in vorhistorischer Zeit stattgefunden haben. — Vgl. Bartholomae, BB. 10, 294; Brugmann, Grundriss II, 237 ; Schrader, BB. 15, 135 ; G. Meyer, Idg. F. I, 328; Darbishire, Fox and Wolf (Cambridge Philol. Transact.).

15. աղտ ałt (o-St.) ‘Schmutz, Unreinigkeit’, ałt-ełi-i ‘schmutzig’ : gr. ἄρδα ‘Schmutz, Unreinigkeit’, ἄρδαλος ‘beschmutzt’? — Bugge, Btrg. p. 35.

Man sollte arm. *art erwarten, vgl. sirt ‘Herz’ = καρδία. — Fick und Prellwitz stellen ἄρδα zur Wurzel merd (smerd), dagegen Joh. Schmidt, Kritik der Sonantentheorie p. 83.

16. աղտիւր ałtiur, häufiger ełtiur oder ełteur (gen. ełter) ‘feuchte Niederung, Wiesengrund, Wiese, Sumpf’ : gr. ἄρδω ‘benetze’, skr. ārdrá- ‘feucht, frisch’? — Bugge, Btrg. p. 35.

Arm. ełtiur kann für *ertiur stehen (vgl. ałbiur und ełbair, dazu Brugmann, Grundriss I, 227) und auf urspr. *erdevr̥ zurückgeführt werden, das sich mit ἄρδω verbinden lässt. Aber der Wechsel zwischen anl. a und e im Armenischen kann auch auf Vocalvorschlag deuten (ł steht nicht im Anlaut) und somit ełtiur aus *ertiur auf urspr. *drevr̥ (vgl. ałbiur = *bhrevr̥ und wegen arm. rt aus idg. dr: kʿirtn ‘Schweiss’ = gr. ἱδρώς) zurückgehen, das nicht zu ἄρδω gehören würde.

416

17. ամ am (i-a St.) ‘Jahr’ = skr. sámā- ‘Halbjahr; Jahreszeit, Wetter, Jahr’, zd. hamō ‘des Sommers’, hama ‘im Sommer’ (Bartholomae, Idg. F. 1, 179), air. sam ‘Sommer’, cymr. hâf u.s.w. Pick, Wb. n, p. 290.

18. աման aman (i-a und o-St.) ‘Gefäss’ : skr. ámatra- ‘Krug, Trinkschale, Gefäss’, gr. ἀμίς ‘Nachttopf’, ἄμη ‘Wassereimer’ (Lw. lat. ama ‘Eimer’, d. Ohm). Vgl. Idg. F. 7, 94.

Np. mān, mana ‘Geräth’ (unbelegt) ist aramäisches Lw. nach Nöldeke, Pers. Stud. 2, p. 40. Vgl. Horn, Grundriss p. 215.

19. ամառն amaṙn (gen. amaran) ‘Sommer’, amar-ayin ‘sommerlich’, y-amaranoin ‘im Sommer’ (Eznik. 174), amar-aini ‘im Sommer’, amar-a-sun ‘im Sommer gewachsen’ : ahd. sumar ‘Sommer’.

Zu arm. am ‘Jahr’ = zd. ham- ‘Sommer’. — amaṙn gen. amaran verhält sich zu zd. ham- (gen. hamō) ‘Sommer’ wie jmeṙn gen. jmer-an ‘Winter’ zu zd. zim- (gen. zimō) ‘Winter’. Ueber das r-Suffix in amaṙn, Stamm amar- und amaran- vgl. Joh. Schmidt, Pluralb. p. 207—209, BB. 15, 24; 18, 9, Idg. F. 1, 179, Bloomfield, Adaptation of suffixes p. 19.

20. ամբողջ ambołǰ ‘vollständig, ganz, unversehrt’ (PB. 187, z. 1 v.u., Philo, Pit. und Spätere) in amb und ołǰ zu zerlegen, vgl. ołǰ (o-St.) ‘gesund, ganz, vollständig’, aṙ-ołǰ ‘gesund, vollständig, unversehrt’,

amb- = gr. ἀμφί ‘zu beiden Seiten’, lat. ambi- (ambiegnus), amb- (ambire, ambages u.s.w. MSL. 8, 382), air. imb, imm-, imme- (Pick, Wb. II, 34). — Meillet, MSL. 8, 236. — Zu ołǰ s. unten Nr. 328.

Die Zusammenstellung ist möglich, aber unsicher, da die Bedeutung des nur hier vorkommenden amb- sich nicht ermitteln lässt.

21. ամէն amēn, gewöhnlich amenain (i-St.), in Comp. amen-a- ‘jeder, all, ganz’ : gr. ἁμο- got. sums, ahd. sum, aisl. sumr ‘irgend ein’, skr. sama- ‘irgend einer, jeder’, zd. ap. hama- ‘jeder’, idg. *sm̥mo-. — Brugmann, Die Ausdrücke für den Begriff der Totalität p. 5.

Wenn e vor n im Arm. immer zu i wird, muss amenain für *am-ean-ain stehen.

417

22. ամիս amis (o-St., gen. amsoy, gen. pl. amsoc̣, daneben der gen. sg. amsean) ‘Monat’ = skr. mās- ‘Mond, Monat’, zd. (nom.) mā̊, ap. māhyā (‘im Monate’), np. māh, dial. māng, gr. μήν, ion. μείς, lat. mensis, got. mēna (‘Mond’), mēnōþs (‘Monat’), lit. mė́nů, mė́nesis, ksl. měsęcĭ, air. (gen. mís), cymr. mîs.

Wenn das anlautende a von amis alt (älter als das vocalische Auslautsgesetz) ist, so ist nom. amis gen. amsoy auf nom. *amēnsos, gen. *amēnsosyo zurückzuführen. Aus *mēns und *amēns wäre im Arm. *mis und *ams geworden.

23. ամպ amp oder amb (o-St.) ‘Wolke’ : skr. abhrá- ‘trübes Wetter, Gewölk, Gewitterwolke, Wolke’, zd. awra-, np. abr ‘Wolke’, osset. arw ‘Himmel’ (dazu äwraγ, äwrag ‘Wolke, Nebel’?), gr. ἀφρός ‘Schaum’, skr. ámbhas- ‘Wasser’. Vgl. νέφος ‘Wolke’ = skr. nábhas- ‘Nebel, Gewölk, Luftraum, Himmel’, ksl. nebo u.s.w.

Arm. amp, amb = idg. *n̥bhó-, *m̥bhó- wie skr. abhrá- = idg. *n̥bhró-, *m̥bhró-. Vgl. Joh. Schmidt, Kritik der Sonantentheorie p. 153. — Arm. ałb (o-St.) ‘Koth’ ist nicht mit Bugge, Btrg. 35 hierher zu stellen.

24. այլ (o-St.) ‘andere’ = gr. ἄλλος, kypr. αἶλος, lat. alius, got. aljis, air. aile. Idg. *alyo-

Zu ail ‘aber’ vgl. gr. ἀλλά ‘aber’, got. alja ‘ausser’.

Gerade die ältesten Handschriften haben aił, aber alle Texte geben ail, auf das auch das Neuarmenische (ail, al) hinweist.

25. այծ aic (i-St., gen. pl. aicic̣) ‘Ziege’, pl. auch aici-kʿ (gen. aiceac̣) αἱ αἶγες Gen. 31, 38 u.s.w., davon aiceay, aiceni ‘caprinus’, aiceamn (gen. aiceman) ‘Gazelle’ (δορκάς) = gr. αἴξ (gen. αἰγός) ‘Ziege’, αἴγειος ‘von Ziegen, von Ziegenfell, ziegenledern’, zd. izaena- oder īzaena- (vd. 8, 23) ‘aus Fell, ledern’.

Vgl. skr. aǰá- ‘Ziegenbock’, aǰā́- ‘Ziege’, aǰína- ‘Fell’, phl. azak ‘Ziege’ PPGl. 5, 5, lit. ožỹs ‘Ziegenbock’, ožkà ‘Ziege’, air. ag allaid ‘cervus’ Fick, Wb. II, 7. Ueber zd. azī- = skr. ahī́- ‘Kuh’ s. J. Leumann, Etym. Wb. der Sanskrit-Sprache p. 30.

26. [այր air ‘Mann’, pl. nom. ar-kʿ, acc. ar-s] sg. gen. aṙn, abl. y aṙnē, instr. aramb, pl. gen. abl. aranc̣, instr. arambkʿ = zd. arša ‘Mann, männlich’, acc. aršānəm, gen. aršnō, gen. pl. aršnąm, gr. ἄρσην, ἄρρην (gen. ἄρρενος), lak. εἰρήν, ion. ἔρσην (ἐρσήν) Idg.F. 7, 45 ‘männlich, Männchen’, skr. ršabhá- ‘Stier’.

418Arm. aṙn = zd. aršnō = idg. *r̥snós. Von demselben Thema idg. *r̥sen- müsste der Nom. im Arm. *aṙn (wie der Genitiv, vgl. arm. *gaṙn = gr. ϝαρήν) lauten, der Nom. pl. *arinkʿ. Also gehört der Nom. air (pl. arkʿ) zu einem andern Stamme. Bugge (Etruskisch und Armen. p. 53) und Meillet MSL. 9, 151 setzen arm. air = gr. ἀνήρ, aṙn = gr. ἀν(δ)ρός; mir nicht glaublich. — Zu air ‘Mann’ gehört vielleicht aru ‘männlich’, auch ari ‘tapfer’ (ἀνδρεῖος)? Anders Bugge, PBr. 21, 424. Zur Flexion vgl. Bartholomae, Stud. II, 27 Anm. 1.

27. այտ ait (i-St.) ‘Wange’, ait-nu-m ‘schwelle', ait-umn ‘Schwellen, Geschwulst’ : gr. οἶδος ‘Geschwulst’, οἶδμα ‘Aufschwellung, Schwall’, οἰδέω ‘schwelle’, ahd. eiz ‘Geschwür’ (zu eitar ‘Gift’, aisl. eitr ‘Gift’). Wurzel oid. — Ueber lat. aemidus s. BB. 5, 273.

28. այրեմ air-e-m (aor. air-ec̣-i) ‘verbrenne, zünde an’, z-air-ana-m ‘werde aufgebracht, zornig’, z-air-a-gin ‘zornig, unwillig’, von einem nicht mehr vorhandenen *air ‘Feuer’ und z-air ‘Zorn’ abgeleitet = zd. ātar-, nom. ātarš ‘Feuer’, phl. ātur, np. āδar und ātaš, osset. artʿ ‘brennendes Feuer, Flamme’ (aus āθr-, vgl. zd. gen. āθrō), bal. ās ‘Feuer’ (aus āθr-), afgh. ōr ‘Feuer’ (aus āθr-), kurd. āūr, ār ‘Feuer’ ZDMG. 38, 48. — Ueber den Zusammenhang von zd. ātar- mit zd. aθaurun-, āθravan- = skr. átharvan- ‘Feuerpriester’ s. J. Leumann, Etym. Wb. der Sanskrit-Sprache p. 12, dagegen Bartholomae, Idg. F. 5, 221.

Die persischen Wörter sind auch ins Armenische entlehnt worden als atʿaš s. oben p. 92 und atr- (aus *atur-) s. oben p. 110 und p. 23. Arm. *air ‘Feuer’ = idg. nom. *ātēr.

29. այց aic̣ (ohne oblique Casus) ‘Untersuchung’, aic̣ aṙnem ‘suche heim, besuche, nehme mich Jemandes an, kümmere mich um etwas’, y aic̣ elanem ‘suche heim, erbarme mich, nehme mich an’, aic̣-el-utʿiun ‘Untersuchung, Prüfung, Heimsuchung, Fürsorge’ = ahd. eisca ‘Forderung’, eiscōn ‘forschen, fordern, fragen’, nhd. heischen, lit. jëszkóti (aus dem Ahd. entlehnt? Wiedemann, Handbuch p. 37), ksl. iskati ‘suchen’, skr. iččháti ‘sucht, wünscht’ (wovon iččhā ‘Wunsch, Verlangen’), zd. isaiti ‘wünscht'.

Davon zu trennen haic̣-e-m ‘bitte, verlange, suche’, haic̣-vac ‘Bitte, Verlangen’. — Das Verbum aic̣em ist selten und wohl erst von aic̣ abgeleitet. Letzteres = idg. *ais-sk1.

419

30. ան an Negation in Zusammensetzungen = skr. zd. ap. a- (vor Consonanten), an- (vor Vocalen), gr. ἀ-, ἀν-, lat. in-, germ. un-, idg. -, vgl, arm. an-asun eigentl. ‘nicht-sprechend’ = ‘Thier[’], ananun ‘ohne Namen’, an-canautʿ ‘unbekannt’, anban, ‘unvernünftig, sprachlos, Thier’, skr. án-āgas- ‘schuldlos’, á-ǰñāta- ‘unbekannt’, á-nāman- ‘namenlos’, a-nāma-ka- ‘Schaltmonat’, ap. a-nāma-ka Name eines Monats, zd. an-āhita- ‘unbefleckt’, a-meša- ‘unsterblich’, gr. ἀν-ώνυμος ‘namenlos’, ἀ-γνώς ‘unbekannt’, ἄφωνος ‘sprachlos, stumm’, lat. in-ermis ‘unbewaffnet’, infans eigentl. ‘nicht-sprechend’ = ‘stumm’, ‘Kind’, ignotus ‘unbekannt’, got. unkunþs ‘unbekannt’.

31. -անդ -and in դրանդ dr-and oder dr-andi (dr- aus dur- ‘Thür’) für gr. πρόθυρον Richter 19, 26, Ezech. 43, 8, ὑπέρθυρον Jes. 6, 4, σταθμός Jes. 57, 8, πρόπυλον Amos 9, 1 = skr. ā́tā ‘Umfassung, Rahmen der Thür’, zd. ąiθā̊ acc. pl. yt. 10, 28 etwa: ‘Thürpfosten’, lat. antae ‘Thürpfeiler’, aisl. ǫnd ‘Vorzimmer’.

Arm. drand, drandi nur im A.T. und Aristot. de mundo 620. Für die Theile des Thürrahmens hat das Armenische ausserdem die Wörter seamkʿ und baravor. Letzteres ist ‘die obere Thürschwelle’, seamkʿ nach FB. 215 ‘die untere Thürschwelle’, nach Ex. 12, 7 aber erku seamkʿ = ‘die beiden Thürpfosten’ (σταθμοί), nach Ezech. 43, 8 = φλιά (das aber Ex. 12, 7 durch baravor übersetzt wird), während nach dem Zusammenhang Richter 19, 26 drandi = ‘Schwelle’ sein sollte.

32. անկանիմ ank-ani-m (anganim) ‘falle’ (aor. ank-ay) : got. sigqan ‘sinken’, ahd. sinkan, caus. got. sagqjan ‘versenken’, ahd. senchan? — Meillet (briefl. Mittheilung). Dazu lit. senktù, sèkti ‘fallen, sich senken’ (vom Wasserstande), gr. ἑάφθη ‘sank’ Joh. Schmidt, Kritik der Sonantentheorie p. 62—64.

Arm. ank (ang) kann = idg. sn̥g (sn̥k) gesetzt werden. — Bartholomae will sigqan auf idg. sig2 (neben sik2), lit. senkù (inf. sèkti, seklùs ‘seicht’, sẽkis ‘seichte Stelle’, ohne Nasal!) und gr. ἑάφθη auf idg. sek2 zurückführen, Idg. F. 7, 94—95. Anders Wiedemann, Lit. Praet. 58, Handbuch p. 20 (Wurzel sik2).

33. անկիւն ankiun, angiun (li-St, gen. ankean) ‘Winkel, Ecke’ : lat. angulus ‘Winkel, Ecke, Spitze’, ksl. ąglŭ ‘Winkel’.

Lat. angulus lässt sich auf *anklos (Brugmann Grdr.) oder anglos (Fick, Wb. I, 352) zurückführen, ksl. ąglŭ nur auf anglos.420 Im Armenischen wechseln Tenues und Mediae nach Nasalen. Ist aber die verbreitetere Form ankiun auch die ältere, so geht es wohl auf urspr. ang- zurück, da idg. nk im Arm. zu ng wird, vgl. hing ‘fünf’ = idg. *penke.

34. անձուկ anj-uk (auch ancuk geschrieben) ‘eng, Enge, Engpass, Noth, Bedrängniss’ : skr. ąhú- ‘eng, Drangsal’, ą́has- ‘Bedrängniss, Noth’ = zd. ązah-, gr. ἄγχω ‘schnüre, würge’, lat. ango ’schnüre, würge’, angor ‘Würgen, Beklemmung, Angst’, angus-tu-s ‘eng’, got. aggvus ‘eng’, ksl. ązŭkŭ ‘eng’, lit. añksztas ‘eng’, air. cum-ung ‘eng’, cum-gai ‘angores’.

Arm. anju- = idg. *ang1hu-. — Hierher auch anjuk (ancuk) ‘Verlangen’?

35. անուն anun (m-St., gen. anvan) ‘Name’ = skr. nā́ma zd. nąma, ap. nāma, gr. ὄνομα, lat. nōmen, got. namō, ksl. imę, apr. emmens, emnes, alb. emɛn, air. ainm (nom. pl. anmann) ‘Name'.

Ueber die sicher zusammengehörigen aber lautgesetzlich schwer zu vereinigenden Formen s. BB. 17, 132; 18, 240, Idg. F. 1, 77, 453, MSL. 8, 156; 9, 147. Ist, wie ich angenommen habe, im Armenischen hier m zu v geworden, so geht arm. nom. anun auf *anvan oder *anuvan aus *anmn oder *anōmn̥ zurück. Das anl. an- könnte = urspr. on- oder sein.

36. անուրջ anurǰ (i-St, gen. pl. anrǰic̣) ‘Traum’ : gr. ὄναρ, ὄνειρος, ὄνειρον (pl. ὀνείρατα) ‘Traumbild, Traum’, alb. ą́dɛr̄ɛ ‘Traum’ (= *anri̯o G. Meyer, Etym. Wb. der alb. Sprache p. 11).

Arm. anur-(j) aus *anōr : gr. ὄναρ = gr. τέκμωρ : gr. τέκμαρ. Ueber das anl. an- s. unter anun, Vgl. BB. 17, 103; 18, 34; Idg. F. 2, 268.

37. առնեմ aṙ-ne-m (aor. ar-ar-i) ‘mache’ : gr. ἀραρίσκω (aor. ἤραρον) ‘füge’.

38. առնում aṙ-nu-m (aor. aṙi) ‘nehme’ : gr. ἄρνυμαι (aor. ἠρόμην) ‘ich trage (für mich) davon, erwerbe mir’.

39. առու aṙu (gen. aṙvi oder aṙvoy) ‘Canal’ (zur Bewässerung der Felder, Gärten u.s.w., aber auch die Canäle im Körper wie Adern u.s.w.), dann auch ‘Bach, Strom’ (von Thränen, Blut bei Arist.) aus *sruyós oder *srutís von Wurzel sru ‘fliessen’ in: skr. srávati ‘fliesst’, sruti- ‘Ausfluss’, srṓtas- ‘Strom,421 Fluss, Canal im menschlichen und thierischen Leibe, Ausgang, Oeffnung’, ap. rauta ‘Fluss’, gr. ῥυτός ‘fliessend’, ῥύσις ‘Fliessen’, aisl. straumr, d. Strom, lit. sraviù, sravė́ti ‘fliessen, sickern’, ksl. struja ‘Strömung’, air. sruth ‘Fluss’, sruaim ‘Strom’. — Dazu aṙoganem = oṙoganem ‘bewässere’ von *srov- (vgl. kov ‘Kuh’: kogi ‘Butter’; č̣u ‘Aufbruch’: č̣ogay ‘ging’) : gr. ῥόϝος ‘Strömung, Strom', lit. sravà ‘Fliessen’, ksl. o-strovŭ ‘Insel’ u.s.w. nach Bugge, Idg. F. 1, 451, 452.